Aborted - The Necrotic Manifesto - Cover
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Aborted The Necrotic Manifesto


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Fehlendes Schädeltrauma? Dr. Aborted kennt da genau die richtige Medizin!

Als „Global Flatline“ Anfang 2012 das Abspielgerät okkupierte, war bereits klar, dass nach dieser knochensplitternden und sich an Gedärmen labenden Großtat für den Titel „Metal-Album des Jahres“ nicht mehr viele Anwärter kommen würden, die dem präzisen und vielschichtigen Gemetzel von Sven de Caluwe (Gesang), Eran Segal (Gitarre, ausgewechselt durch Mendel Bij De Leij), Michael Wilson (Gitarre, ausgewechselt durch Danny Tunker), JB van de Wal (Bass) und Ken Bedene (Schlagzeug) die Kreissäge reichen können. Daher stellte sich eine ganz andere Frage: Wie wollen Aborted dieses vom Teufel besessene Machwerk überbieten? „The Necrotic Manifesto“ gibt nun 2 ½ Jahre später eine etwas ernüchternde Antwort, vergisst jedoch nicht, das achte Studioalbum mit einem großen „aber“ zu würzen.

Dies bezieht sich nicht etwa auf einen abgeänderten Schlachtplan für die Gangart des neuen Oeuvres der fünf Belgier, denn dieser verzehrt sich nach wie vor nach Zerstörung, Blut, Exkrementen, abgetrennten Gliedmaßen, menschlichen Innereien und allem, was sonst noch dazu gehört, sondern auf die generelle Anlage der 14 neuen Kompositionen. Kam die durchschnittliche Laufzeit eines Tracks auf „Global Flatline“ noch auf etwas mehr als drei Minuten, so peilen die aktuellen Stücke diese Marke meist gar nicht erst an, sondern setzen bereits vor Erreichen dieser Zielgeraden ihrem Leben ein Ende. Das sorgt zwar einerseits für einen kompakteren und wesentlich blutigeren Schlagabtausch, kränkelt aber auf der anderen Seite dafür mit gelegentlicher Reizüberflutung und allzu häufigen Dreschflegelparts, die keine Zeit zum Verschnaufen lassen. Diesen Balanceakt bekam der Vorgänger deutlich besser hin.

Nichtsdestotrotz sorgt „The Necrotic Manifesto“ keineswegs für eingeschlafene Füße oder Langeweile, denn schon nach dem herrlichen Intro „Six feet of foreplay“ gibt es mit „The extirpation agenda“ ordentlich einen auf die Fresse, bis der etwas wirre Metal-Mischmasch „Cenobites“ die Platte beendet. Dazwischen darf man sich an abgrundtiefem Geröchel oder Geschrei von Sven, Wormed-Grunzer Phlegeton oder The Acacia Strain-Goldkehlchen Vincent Benett erfreuen, während um sie herum melodisches Gitarrenspiel die apokalyptischen Zustände auflockert („Necrotic manifesto“, Purity of perversion“), punkige Vibes die Szenerie heimsuchen („Excremental veracity“), unbarmherzige Todesbleibolzen verschossen werden („Your entitlement means nothing“, „Sade & libertine lunacy“), undurchdringliche Grooves die Kinnlade herunterkippen lassen („Chronicles of detruncation“, „Of dead skin & decay“) oder rasante Wechselspiele zwischen fingerkuppenverbrennendem Death Metal, kompromisslosem Dreschflegel-Goregrind, kürzeren Ruhephasen und schleppenden Lava-Passagen stattfinden („An enumeration of cadavers“, „The davidian deceit“).

Mit dem hymnisch angelegten „Coffin upon coffin“ denken Aborted neben einer undurchdringlichen Riffwand und galoppierenden Drums auch an einen Schlachtruf für die Fans auf ihrer kommenden Tour und das Midtempo-Ungetüm „Die Verzweiflung“ versteht es, mit aufjaulendem Gitarren-Feedback und donnerndem Groove den Schädel im Ausgleich zu den anderen Tracks nur halb so wuchtig auf die Tischplatte knallen zu lassen. „Auf „The Necrotic Manifesto“ werden Aborted in jeder nur erdenklichen Weise hacken, schlitzen, schneiden, reißen, zerren, zerstören und töten. Intensität, Brutalität, technisches Können und unmenschliche Vocals können also getrost erwartet werden“, frohlockt der beiliegende Pressetext zur achten Schlachtplatte der Belgier und ehrlich gesagt wollen wir von den kranken Herrschaften aus Waregem auch nichts anderes hören, solange die Qualität (trotz ihrer kleinen Unzulänglichkeiten), wie im vorliegenden Fall, stimmt.

Anspieltipps:

  • Necrotic Manifesto
  • The Davidian Deceit
  • Excremental Veracity
  • Chronicles Of Detruncation

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