Woven Hand - Refractory Obdurate - Cover
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Woven Hand Refractory Obdurate


  • Label: Glitterhouse/INDIGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Großes Drama, großes Album!

Die Geschichte von Wovenhand ist die Geschichte von David Eugene Edwards. Am Anfang jedoch standen 16 Horsepower und ihre gleichnamige Debüt-EP aus dem Jahre 1995. Mit Alternative Rock, Folk Noir und Gothic Country ist deren Output zwar formal richtig beschrieben, sagt aber nur wenig über deren Spielfreude, Wucht, Leidenschaft und Spiritualität aus. Dabei war David Eugene Edwards immer die tragende Säule der Band, die vier ausgezeichnete Studioalben hinterließ sowie einige Sampler und Live-Alben. Von letzteren gilt es ganz besonders das Doppel-Album „Live March 2001“ hervorzuheben, das zu den besten Konzertaufnahmen der Rock-Musik gerechnet werden muss.

Im Jahr 2005 wurde das Ende von 16 Horsepower verkündet und David Eugene Edwards rief Woven Hand (so die anfängliche Schreibweise) ins Leben. Dabei erweiterte der amerikanische Singer/Songwriter seinen Horizont und schrieb Musik für ein Tanztheaterprojekt von Wim Vandekeybus, dem die Orpheus Sage als Grundlage diente. Deren Themen Ober- und Unterwelt, Liebe und Tod, Entbehrung und Sehnsucht, Verzicht und Versagen sind auch die Themen von Wovenhand in persona David Eugene Edwards. Die ersten Studioalben von Wovenhand zeigten ein Spektrum auf, das sich von Mal zu Mal veränderte und immer neue Facetten preisgab, ohne dass dabei stilistisches Einerlei produziert wurde. Im Gegenteil - Wovenhand gewannen zusehends an Kontur.

Mit dem großartigen Konzertmitschnitt „Live At Roepaen“ (2012) kam es zur Zäsur bei Wovenhand. Neue Bandmitglieder kreierten mit Edwards einen wuchtigen, geradezu hypnotischen Sound, der in einer alten Klosterkirche und auf den nachfolgenden Studioaufnahmen („The Laughing Stalk“, 2012) widerhallte. In gewissem Sinne eine Rückkehr zur Urkraft von 16 Horsepower, mit der Erfahrung von Wovenhand im Rücken. Dabei bleibt David Eugene Edwards der Frontmann, Schamane und Prediger, der die toten Legenden Jim Morrison, Ian Curtis und Jeffrey Lee Pierce mit seiner Präsenz und Stimme reanimiert.

Nachzuhören, besser nachzuerleben, auch auf dem nun vorliegenden „Refractory Obdurate“, das den 2012 beschrittenen Weg konsequent fortsetzt. Wie eine schnaubende und stampfende Pferdeherde werden Titel wie „Good Sheperd“, „Field Of Hedon“ und „Hiss“ vorangetrieben, dabei werden die Hände flehend gen Himmel gestreckt, eine Art Spiritual Punk, der gemeinsam mit den zurückhaltenden, im mittleren Tempo gehaltenen Folk-Noir-Songs eine stringente Einheit erzielt. Dynamik und Komposition werden nahezu perfekt ausbalanciert. Wovenhand-Musik ist keine schnöde Rock-Orgie, vielmehr eine psychische, physische und geistige Erfahrung. Ein Lehrstück in Sachen Wucht, Poesie, Spiritualität und Dynamik. Großes Drama, großes Album!

Anspieltipps:

  • Corsicana Clip
  • Good Sheperd
  • Field Of Hedon
  • Hiss

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