Plymouth - Plymouth - Cover
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Plymouth Plymouth


  • Label: Rare Noise Records
  • Laufzeit: 61 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Atonales Ende eines Post-Rock-Konzerts in Dauerschleife.

„Schwere Kost“ ist das erste was einem beim ersten Hören der drei Tracks, die zusammen eine knappe Stunde ausmachen, durch den Kopf geht. Wer bei den Herren Jamie Saft und Joe Morris was anderes erwartet hat, kennt die beiden aber auch nicht. Wer die beiden aber tatsächlich bereits kannte, wird den Output den sie unter dem Alias „Plymouth“ nun veröffentlicht haben, vermutlich trotzdem unterschätzen. Das Jamie Saft bereits mit dem Japaner Masami Akita (Merzbow) kollaboriert hat, seines Zeichens Avantgardist und Noise-Meister, dürfte Kenner einigermaßen auf „Plymouth“ vorbereiten.

Trotzdem, was Jamie Saft und Joe Morris bisher mit ihren eigenen Trios oder Quartetts (in der Reihenfolge) veröffentlicht haben, ist nicht annähernd so beunruhigend und dicht gepackt wie diese Kollaboration, auch wenn die ähnliche Spieldauer der Tracks der respektiven Projekte etwas anderes suggeriert. Nein, „Manomet“ steigt ein mit massiver Atonalität und Wänden aus Geräuschen und Tönen, die man als Durchschnittshörer irgendwann nicht mehr auseinanderzuhalten vermag. Das geht dann erst ein mal 20 Minuten so.

Immerhin, der zweite Track, „Plimouth“, gibt dem Hörer wieder Raum zum Atmen. Vereinzelte E-Gitarren-Anschläge, die einem Plätschern ähneln, lassen dem begleitenden Klimpern genug Raum sich zu entfalten, bis das Piano und ein überraschend eingängiges Schlagzeug mit Schwerpunkt auf den Hi-Hats einsetzen. Auch der Orgel wird genug Luft geboten, um konzentriertes Zuhören zu ermöglichen, das nicht durch tausend andere Elemente überdeckt wird. „Standish“ beginnt genauso ruhig wie sein Vorgänger, nimmt dem Ende von „Plimouth“ wieder das Volumen, verwandelt sich aber auch nach einigen Minuten in ein nervöses Schauspiel pochender und heulender Instrumente, das morgens im Radio unzählige Unfälle im Berufsverkehr verursachen würde, ob der panischen Versteifung, die bei dieser Reizüberflutung eintreten muss.

Schließlich lässt sich für den Laien am Ende mindestens eine der folgenden Erkenntnisse gewinnen. „Es könnte Musik sein. Es ist Musik, die mich herausfordert.“ Dieses kollaborative Werk wirkt wild zusammengewürfelt, ohne Plan. Über Melodien lässt sich infolgedessen wenig sagen, auch wenn klar ist, dass hier technisch einiges geboten wird. Für ein komplett durch-improvisiertes Album ist das schließlich fast Voraussetzung. Insofern ist „Plymouth“ sicherlich einzigartig. Die Masse und noch mehr werden jedoch nie einen Zugang dazu finden.

Anspieltipps:

  • Plimouth

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