Gabriele Poso - Invocation - Cover
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Gabriele Poso Invocation


  • Label: Agogo Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
8.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ist das noch Art-Pop oder schlichtweg bereits World-Music?

Ist Gabriele Poso faul oder überambitioniert? Ist er Pop-Musiker, World-Music-Verfechter oder insgeheim ein Akustik-DJ? Poso könnte dem Wahnsinn verfallen, aber auch schlichtweg ein beruhigendes Genie sein. Das Album des undefinierbaren Künstlers heißt „Invocation“. Und jedes einzelne Stück auf seinem Album trägt denselben Namen. Die Lieder sind dabei zu klar unterscheidbar, als dass Poso ursprünglich ein einzelnes Stück der Plattenfirma zuliebe aufgeteilt hat. Trotzdem vermutet man als Hörer, dass die Zahlen nur der Orientierung dienen sollen und jeder Song für sich eine „Invocation“ (engl.: Beschwörung) ist. Namen wären trotzdem nett gewesen.

Wie Formeln und Beschwörungen klingen die Lieder auf „Invocation“ auch durchgehend. Abgesehen von dem an den Film „Wer ist Hanna“ erinnernden Auftakt „Invocation 001“ ist das Album sehr von Rhythmen getrieben, die von ihrer Klangfarbe großteils an Lateinamerika, aber auch an den Orient erinnern. Das Geheimnis der Beschwörungen ist letztendlich, wie repetitiv man die Musik gerne haben möchte. Wenn „Invocation“ tatsächlich der Meditation dienlich sein soll, dann sind esoterisch anmutende Synthie- und Trommel-Synthesen wie in „Invocation 004“ oder das gefühlt aus zwei mal 20-Sekunden-Loops bestehende „Invocation 003“ wohl genau das richtige.

Wer sich jedoch mehr als nur einen sanften Hauch von Lounge-Musik mit übermäßig viel World-Music-Anteilen erhofft, der darf kein leicht abgeändertes Café del Mar erwarten. Eher gibt es mal ein roh klingendes Trommel-Solo („Invocation 006“) oder sogar ein an den Prog-Rock von The Mars Volta erinnerndes Stück mit „Invocation 007“. Wenn sich doch tatsächlich eine Spur von Pop und Lounge in die Musik verirrt, dann klingt das selten so gediegen nach Mittelmeer wie in „Invocation 008“, sondern hat einen stark auf Beats ausgerichteten Rhythmus.

Dieser rhythmisch preschende Ansatz ist ohne Frage das durchweg gelungene Element dieses Albums. Wer auf Gesang verzichten kann und akustische und besonders durch Percussions beherrschte Tracks der Rhythmen wegen gerne hört, der wird in der einen oder anderen „Invocation“ (z.B. in den Nummern 009 und 002) hypnotische Dauerbrenner erkennen. Letztlich ist es aber nahezu unmöglich, die sehr spezielle Musik Posos empfehlen zu können. Die Fragen des Auftakts bleiben unbeantwortet. Vielleicht ist es alles nur ganz großer Humbug, doch als Liebhaber von Percussions und Rhythmen kann man für sich ganz subjektiv ein zumindest großteils interessantes Album entdecken, das jedoch niemanden vollständig glücklich machen dürfte.

Anspieltipps:

  • Invocation 002
  • Invocation 009
  • Invocation 010

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