Sepiatone - Echoes On - Cover
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Sepiatone Echoes On


  • Label: Interbang/Broken Silence
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
10/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn das Super-Duo kein echtes Superalbum erschafft, sind die Ansprüche dieses Experiments gehoben.

Das Konstrukt allein schreit schon: Geheimtipp! Wenn ein australischer Produzent und Songwriter und eine italienische Instrumentalistin und Sängerin sich zusammen tun, ist auf dem Papier bereits eine interessante Mischung gegeben. Verschiedene Einflüsse aus unterschiedlichen Ländern könnten aufeinandertreffen und auch mit der Sprache kann gespielt werden. Und da beide Namen recht unbekannt sind, erhofft man sich nebenbei noch eine anspruchsvolle Pop-Platte abseits des Mainstreams. Ach, träumen darf man ja wohl noch!

Und solche Träume werden nicht nur durch Hirngespinste angefeuert. Wen mit „Conflicted“ das Album mit gewolltem Vinyl-Rauschen empfängt, rümpft nur kurz die Nase. Denn schnell offenbart sich, dass hier jemand den perfekten Klang für die beruhigende, aber auch verführerische Stimme Marta Collicas gefunden hat. Es ist einer dieser Laid-Back-Pop-Songs, der dem Euphemismus des „perfekten Liedes“ nahekommt. Wer „Conflicted“ hört, der schwebt. Zwischen Sprachen wechselnd und von Streichern und sanften Pianoklängen begleitet, findet das Lied einfach statt. Was an anderer Stelle wiederholend klingen könnte, entwickelt sich so selbstverständlich und erholsam für die Ohren, dass man gleich zu Beginn Repeat-One drücken möchte.

Doch dieses faszinierende Niveau kann das Album leider nicht halten. Was folgt ist gut gemachter Pop mit sanften Rock-Wurzeln. In der Single „Shallow Tears“ funktioniert das zwar noch, doch es liegt auch an Hugo Races tiefer Stimme, die uns eine gewisse Coolness aufzwingt und die Emotionen des Openers nicht wiederholen kann. Das ändert nichts daran, dass hier Radio-Rock der 90er-Jahre gut präsentiert wird. Das Album zeigt zwar durchgehend, dass es sich nicht an moderne Trends klammert, aber sich dafür manchmal in alten Mustern verfängt.

Dass Races Gesang immer zu abgeklärt und letztlich stets aufgesetzt wirkt, ist leider nicht zu ändern. Manchen Hörern wird diese coole Stimme bestimmt auch zusagen. Für andere Ohren wird das vorprogrammierte Element von Liedern wie „Double Life“ allerdings nur noch hervorgehoben. Wenn Marta als Backgroundsängerin völlig verschleudert wird, sitzt der Schmerz gleich doppelt so tief. Was solche Tracks vor echten Schwächen schützt, ist das gute Songwriting des Duos. Lieder stehen nie still und lassen so manchen Superstar alt aussehen. Die Entwicklung der Lieder ist dabei stets subtil, allerdings nie so zurückhaltend, dass nur Experten diesen Effekt genießen könnten.

„Mare Grosso“ und „Young Desire“ sind die einzigen Stücke, die allerdings mehr als diesen gut gemachten Durchschnitt versprechen. Mit der Perfektion des Openers haben sie zwar noch nichts gemein, doch hier wird richtig starke Musik zelebriert. Bevor das Duo jetzt allerdings als konventionell herüberkommt, soll erwähnt werden, dass es Jazz-Spoken-Words („Cold & Blue“) und Instrumentalstücke zwischen Bossa Nova und Minimalismus gibt („Air Berlin“ und „La Fuga“). Das ist alles sehr ambitioniert, zündet jedoch nur selten mit einer emotionalen Wucht, die solche Experimente benötigen. Der Versuch dieses Albums bleibt damit löblich, doch die Umsetzung zeigt, dass die beiden Musiker zu viel wollten, anstatt sich auf gemeinsam geschaffene Stärken zu besinnen.

Anspieltipps:

  • Conflicted
  • Air Berlin
  • Shallow Tears

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