H.e.a.t - Tearing Down The Walls - Cover
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H.e.a.t Tearing Down The Walls


  • Label: Edel Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Bunt ist das Dasein und granatenstark! Glam, Hair und andere Dubiositäten feiern bei den Schweden wieder ein stilsicheres, überzeugendes Revival.

Retro-Rock erlebt in diesen Tagen einen regelrechten Boom. Aber was ist mit melodischem Hardrock auf dem schmalen Grat zum Glam Metal? Fragst du einen Kuttenträger, dann rotzt er dir die Meinung eiskalt ins Gesicht und wird seine Erleichterung zeigen, dass die femininen Chart-Stürmer der 80er-Jahre dem armem Metal und Hardrock mittlerweile nichts mehr tun können. Stimmt, werden sie nicht. Aber gehören Bands wie Poison oder Cinderella nicht trotzdem irgendwie dazu? Die Großen haben immerhin überlebt, neue Bands sind lediglich Randerscheinungen, welche die Erfolge der Helden sicherlich nicht wiederholen werden. Neben den immer erfolgreicher werdenden Steel Panther könnte sich das besonders durch H.e.a.t nach und nach ändern. Die sechs Jungs aus dem schwedischen Upplands Väsby haben in den vergangenen Jahren so manche kommerzielle wie auch kritische Erfolge einfahren können und werden ihren Siegeszug natürlich fortsetzen wollen. Mit ihrem Talent, unglaubliche Ohrwürmer zu schreiben, sollten die Chancen nicht schlecht stehen.

Eine Rezension zu einem Album von H.e.a.t zu schreiben, ist sowohl die leichteste als auch schwierigste Aufgabe der Welt. Es ist leicht, weil H.e.a.t auch mit ihrem „Tearing Down The Walls“ nicht vom eingeschlagenen Kurs abkommen und bereits zum vierten Mal durchaus erfolgreich ihren energiegeladenen, leichtfüßigen und rasch begreifbaren Melodic Hardrock auf die Welt loslassen. Es ist schwierig, weil eben auch nicht mehr passiert. Zugegeben: Das hört sich weitaus negativer an, als es in der Realität wirklich ist. Denn H.e.a.t machen ihre Sache ungeachtet einer eventuellen musikalischen Stagnation, welche man den Schweden vielleicht vorwerfen könnte, ohne Frage auf einem ganz, ganz hohen Niveau. Nein, sie machen es sogar verdammt gut, richtig toll und sowieso. Das beginnt im phänomenalen Opener „Point Of No Return“, der mit einer Spielzeit von knapp fünf Minuten den längsten Song von „Tearing Down The Walls“ darstellt und der mit ordentlich Druck die Gehörgänge durchpustet. Wer hier Euphorie verspürt, darf sich auf die noch folgenden 41 Minuten redlich freuen.

Abgesehen vom Intermezzo und Lückenfüller „The Wreckoning“ gibt es nichts, was die Dampflok stoppen kann. „A Shot At Redemption“, „Mannequin Show“ und „Eye For An Eye“ machen sowohl Spandexbuxenträger als auch willige Strandbunnies und Edguy-Fans, die sich mit deren stilistischen Wechsel anfreunden konnten, ziemlich glücklich. Der straighte, gut gelaunte Hardrock, vom Frontmann Kenny Leckremo exzellent eingesungen, hat auch heute noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden. H.e.a.t beweisen das eindrucksvoll. Und wenn solch Nummern wie „We Will Never Die“, „Emergency“ und besonders „Inferno“ mit hymnenhaften Killer-Refrains erst mal in den Lauschern zirkulieren, kriegt man sie so schnell nicht wieder raus. Power-Balladen („All The Nights“) und Halb-Balladen („Laughing At Tomorrow“) dürfen bei einem solchen Genrewerk nicht fehlen. Und auch hier treffen H.e.a.t voll ins Schwarze und zaubern zum Sterben schöne Schmonzetten aus dem Hut, die beinahe plakativ schmalzig eine Brücke zu der beliebten (und gleichermaßen verhassten) Kunst der Hair-Ballade schlagen können.

Na, schau mal einer, was uns die Katze jetzt schon wieder in die Bude geholt hat! H.e.a.t feiern einen lupenreinen und selten so stilsicher gehörten Hardrock, der heute genauso gut funktioniert wie in den seligen 80er-Jahren. Wer mit melodischem Hardrock, AOR und Glam etwas am Hut hat, wird im 21. Jahrhundert bisher sicher nicht an H.e.a.t vorbei gekommen sein. Wer die Schweden noch nicht kannte, sollte dies mit „Tearing Down The Walls“ schleunigst nachholen. Besser als jetzt waren sie nämlich nie und stellen mit ihrer Nähe zum Sound alter Helden eine Band dar, die in dieser Hinsicht sogar das All-You-Can-Eat-Buffet des stählernen Panthers in den Schatten stellt. Also Haarspray raus, androgyne Schminke auf die Backen, H.e.a.t einlegen und zu elf granatenstarken Songs in den Sommer abrocken!

Anspieltipps:

  • Point Of No Return
  • A Shot At Redemption
  • Inferno
  • All The Nights
  • Eye For An Eye

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