JF Robitaille - Rival Hearts - Cover
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JF Robitaille Rival Hearts


  • Label: G-Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

JF Robitaille verdichtet Theorien, dass es in Kanada eigentlich nur Montreal gibt.

Die richtigen Zutaten für gute Singer/Songwriter-Musik sind ziemlich einfach. Eine Stimme mit möglichst eigener Klangfarbe und ein Gespür für dazu passende Melodien und fertig ist der Mix für die meist unaufgeregte, aber gerne auch durch den Minimalismus emotional aufwühlende Musik solcher Künstler. Wenn der Kanadier JF Robitaille in seiner Heimat mit unvergleichlichen Künstlern wie Lou Reed und Leonard Cohen verglichen wird, dann kann man zumindest von der nötigen Individualität ausgehen.

Natürlich sind solcherlei Parallelen auch eine große Bürde, die der Kanadier auf den ersten Hördurchgang gar nicht fördern möchte. JF Robitaille hat mit „Rival Hearts“ ein sehr ruhiges und zurückhaltendes Album geschaffen, welches das vermeintlich Extrovertierte der genannten Künstler nicht sofort offenbart. Das liegt allerdings in erster Linie daran, dass gerade die Stimme Robitailles eine warme Stimme unter vielen ist. Angenehm und leicht ins Ohr gehend kann JF problemlos bei jedem anecken, ohne seinen Gesang jedoch zu etwas Herausragendem zu machen.

Doch wenn man hinter diese scheinbar recht gewöhnliche Stimme geht und sich bewusst auf die Melodien einlässt, dann offenbart das Album früh sein Potenzial. Die beinahe erzählte Nummer „Jessie“ erinnert ganz deutlich an Lou Reeds Stil. Immer wenn Robitaille den Pop-Faktor genug zurückstellt, dann zeigt sich, dass er kein harmloses Anschmiegen, sondern emotionalen Tiefgang fördern möchte. Allerdings muss man früh erkennen, dass der Kanadier nicht immer an die genannten Vorbilder, sondern oftmals auch an den Traum-Pop von Death Cab For Cutie erinnert („Saint Catherine“ und ganz besonders „Black & White“).

Wer sich tatsächlich reinen Folk von Robitaille erhofft, der muss enttäuscht werden. Der Ansatz des Künstlers erinnert mehr an eine Rock freie Version von Frank Turner, wenn Songs wie „Dead Letters“ und „Echoes“ weich und ganz nett aus den Boxen tönen. Den Höhepunkt des Albums bilden diese Lieder allerdings nicht. Komischerweise ist der einzig starke Pop-Song des Albums gänzlich frei von Folk-Elementen. Die Single „Cry (To Keep From Laughing)“ ist zwischen Retro-Pop und Indie anzusiedeln und zeigt auf, welche Seite der Musiker von sich nicht oft genug offenbart.

In Verbindung mit emotionalen Singer/Songwriter-Stücken wie „Vanished Rival“ und Pop zwischen „Cry (To Keep From Laughing)“ und „Black & White“ schafft Robitaille ein angenehm klingendes Akustik-Pop-Album, welches sich nicht so ganz dazu durchringen kann, dem Folk im Singer/Songwriter-Bereich Tribut zu zollen. Das ist schade, da die Stärken des Albums ganz klar bei Tracks wie „Jessie“ und „Grey To Blue“ liegen. Für Robitaille spricht trotz dieser fehlenden Konsequenz, dass „Rival Hearts“ immer noch ein gutes Album geworden ist.

Anspieltipps:

  • Jessie
  • Grey To Blue
  • Cry (To Keep From Laughing)

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