Animals As Leaders - The Joy Of Motion - Cover
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Animals As Leaders The Joy Of Motion


  • Label: Sumerian Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Nachwuchs-Gitarrero shreddet sich in die Reihen der ganz Großen.

Oluwatosin Ayoyinka Olumide Abasi, besser bekannt als Tosin Abasi, hat es geschafft! Vielleicht hat er seine eigene Idee von ultra-virtuoser, rein instrumentaler Musik, nicht salonfähig machen können. Aber immerhin ist er mit seinem Album „Weightless“ (2009) eine Woche lang auf Platz 92 der US-amerikanischen Albumcharts gewesen. Und mit „The Joy Of Motion“, welches in seinem Heimatland bereits veröffentlicht wurde, sieht es sogar noch besser aus: Platz 23 spricht eine überaus klare Sprache. Mit einem so speziellen Projekt wie Animals As Leaders überhaupt Erfolge einfahren zu können, ist eine kleine Sensation. Verdient hat er es und jeder, der sich leidenschaftlich über Retortenmüll in den Hitparade aufregt, wird es dem Gitarrenzauberer gönnen. Von seinem Weg kommt dieser nämlich nicht ab und macht nach wie vor sein sehr eigenes, ziemlich kompliziertes und definitiv massenuntaugliches Ding.

So ist auch das dritte Album „The Joy Of Motion“ ein musikalisches Kleinod, an dem sich die Geister wie auch schon zuvor scheiden werden. Stilistisch feiert Abasi ein weiteres Mal verschiedene, ziemlich unterschiedliche Konzepte ab, die allesamt in einer kruden Melange aus Fusion, Mathrock, Prog und Elektronika münden. Menschen, die sich wenig bis gar nicht mit solchen Stilen auseinander gesetzt haben und im schlimmsten Falle noch eine Aversion gegen rein instrumentale Musik mitbringen, werden „The Joy Of Motion“ wahrscheinlich schwer erfassen können. Dabei bietet dieses Stück Special Interest doch so einiges, das klar dafür spricht, es nicht direkt zu ignorieren. Zum einen wäre da das unglaublich virtuose Gitarrenspiel von Tosin Abasi, das besonders dann fasziniert, wenn kurzweilige, melodische Soli in die Kompositionen eingeflochten werden und mit surrenden, pulsierenden Elektrosounds koexistieren.

Das sind die spannendsten und schönsten Momente von „The Joy Of Motion“. Auch die groovende Rhythmus-Sektion und geschickte Elemente von Funk oder Ambient machen eine Menge der Faszination aus. Immer bevor der Hörer überfordert werden könnte, besinnt sich Tosin Abasi auf Eingängigkeit und Songwriting. Letzteres ist im Shred, Djent oder im Math ein sehr kostbares und viel zu oft vernachlässigtes Gut. Auf dem dritten Album von Animals As Leaders kann es gefunden werden. Generell sagt der Titel „The Joy Of Motion“ einiges aus: Hier ist alles in Bewegung und hat Spaß daran, Härte trifft auf luftig-leichte Passagen, Technik auf Hörfreude.

Das soll weiterhin nicht bedeuten, dass dieses Album zugängig ist - ganz im Gegenteil. Das große Problem ist abermals die Tatsache, dass Otto Normal ziemlich viel Durchhaltevermögen und Konzentration aufbringen muss, um Tosin Abasis Absichten folgen zu können. Der gemeine Proghead wird wahrscheinlich früh verzweifeln - eigentlich ein Unding in Progsphären. Dadurch gilt bei „The Joy Of Motion“ das übliche „lieb es oder hass es“. Wahrscheinlich wird es keine goldene Mitte geben. Und im Vergleich zum selbstbetitelten Debüt (2009) oder „Weightless“ (2011) wirkt die Musik mittlerweile schon so etwas wie berechenbar - oder zumindest berechenbarer. Die wahren Qualitäten von „The Joy Of Motion“ werden sich eh erst nach Wochen, Monaten und generell vielen Hördurchgängen zeigen. Das war bei Abasis vorherigen Alben so und wird auch hier nicht anders sein. Wer auf Shred-Gitarristen, Jazzrock/Fusion und sehr technische Musik im Allgemeinen interessiert, darf sich hier einer neuen Herausforderung stellen. Wer sich einfuchst, wird belohnt!

Anspieltipps:

  • Ka$cade
  • Air Chrysalis
  • Another Year
  • The Future That Awaited Me
  • The Woven Web

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