The Golden Grass - The Golden Grass - Cover
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The Golden Grass The Golden Grass


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Retro hier, retro da. Hauptsache trendy.

Jedes Label, das etwas auf sich hält, muss heutzutage einen Retro-Act anbieten können. Deshalb holt sich Svart Records die noch ziemlich frischen The Golden Grass, welche zum Anfang des Jahres 2013 gegründet wurden. Adam Kriney (Schlagzeug, Gesang), Joseph Noval (Bass) und Michael Rafalowich (Gitarre, Gesang) kommen aus Brooklyn und spielen einen Sound zwischen Southern-, Psychedelic- und Hardrock, was bekannterweise wieder total en vogue ist. Das Aussehen der drei Musiker sowie das im Jugendstil gehaltene Artwork ihres Debüts passen sich der Ästhetik an.

The Golden Grass haben genau die Stärken, welche man von einem Act ihres Schlages erwartet. Ihr Retro-Rock ist ein Liebhaberprodukt für ewig Gestrige, welche die Zeit, auf welche The Golden Grass anspielen wollen, wahrscheinlich nie selbst erlebt haben. Der Trend wird jedenfalls auch von dem Trio aus Brooklyn konsequent und auch überzeugend genug bedient. Deshalb finden sich abermals die Schwächen, unter welchen fast jede Band mit einem derartigen Konzept leidet. Eine eigene Identität haben The Golden Grass nicht wirklich. Der Sound von damals soll möglichst authentisch und schnörkellos übernommen werden, damit der Hörer in Leinen, Batik und mit Blüte im Haar zu den Klängen eine private 70s-LARP im Wohnzimmer veranstalten darf. Dieses bisschen Eskapismus ist natürlich erlaubt und The Golden Grass machen ihre Sache gut.

Besonders bei den ersten drei Tracks „Please Man“, „Stuck On A Mountain“ und „One More Time“ beweisen Kriney, Neval und Rafalowich ihr außerordentliches musikalisches Talent sowie ein Näschen für den erwarteten coolen und bisweilen staubtrockenen Sound. Namen wie Blue Cheer, Led Zeppelin oder auch Allman Brothers sind obligatorisch. Spätestens beim Longtrack „Wheels“ verliert die Band dann ein wenig den Fokus. Zwar darf das ausufernde Drum-Solo als klare Hommage an „In A Gadda Da Vida“ von Iron Butterfly verstanden werden, wirkt letzten Endes aber eher gezwungen und leicht zusammenhangslos. Ein typisches Problem, wenn Musiker einen Longtrack mit der Brechstange schreiben wollen. Das folgende Schlusslicht „Sugar N' Spice“ fängt sich dagegen wieder ein wenig und ist trotz diverser Virtuositätsbekundungen eingängig.

Wer nicht genug von Bands wie The Black Explosion, Scorpion Child oder Wolfmother kriegen kann, wird auch mit The Golden Grass ziemlich gut bedient werden. Dieses Album ist ein klares Genrewerk, welches wie fast jedes andere seine Sache außerordentlich gut macht, aber gleichermaßen limitiert ist. Das Gimmick, sich tief in die 70er-Jahre zu bewegen, hat mittlerweile ausgedient und wird nur noch Liebhabern etwas geben. Wirkliche Innovation oder gar eine eigene Identität hingegen ist auch bei The Golden Grass nicht zu finden. Authentizität, Virtuosität und Spaß an der Sache machen das Debüt der US-Amerikaner vielleicht nicht automatisch zum Überhammer, werten die ganze Chose aber wie bei vielen anderen Genrevertretern so sehr auf, dass ein wirklicher Ausfall kaum zustande kommen kann.

Anspieltipps:

  • Please Man
  • Stuck On A Mountain
  • One More Time

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