Eli Paperboy  Reed - Nights Like This - Cover
Große Ansicht

Eli Paperboy Reed Nights Like This


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 35 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht Fisch, nicht Fleisch. Der begnadete R&B- und Soul-Künstler verzettelt sich mit seiner auf modern getrimmten Kurskorrektur.

Er gilt als einer der „jungen Wilden“ des authentischen, aktuellen Rhythm & Blues und Soul. Mit seinem neuen Album möchte er Anschluss an seine Konkurrenten um die Besetzung des Retro-Sound-Throns halten. Schließlich haben Charles Bradley, Sharon Jones, Nick Waterhouse und James Hunter schon starke Alben vorgelegt.

Eli Husock alias Eli Paperboy Reed ist kein absoluter Neuling im Geschäft: 2005 erschien sein Debut „Sings Walkin`and Talkin`and Other Smash Hits!“ mit rohem Rhythm & Blues. Drei Jahre später legte er sein zusätzlich an Soul und Funk orientiertes „Roll with You“ nach. „Come And Get It“ von 2010 zeigte dann einen glatteren Sound, bot aber trotzdem gute Songs. Eine EP mit den neunköpfigen spanischen Pepperpots aus 2012 ließ dann Erinnerungen an den Motown-Sound der 60er-Jahre aufleben.

Eli Paperboy Reed wuchs in der Nähe von Boston auf. Sein Vater war Musikkritiker und machte ihn mit afroamerikanischer Pop-Musik bekannt. Seither beackerte er das Feld, das solche musikalischen Helden wie Ray Charles, Joe Tex, Wilson Pickett, James Brown oder Otis Redding bestellt haben. Er wilderte außerdem in den Sounds, die in den Hitfabriken von Motown, Stax und Hi erdacht wurden und ließ diese frisch aufpoliert in neuem Glanz erstrahlen.

Beim aktuellen Album sollen nun neue Wege eingeschlagen werden. So kooperiert er jetzt noch intensiver mit Musikern und Produzenten aus dem HipHop, Electronic-Pop und Rock-Sektor, um andere Einflüsse einzubeziehen. Schon der Opener „Well, Alright Now“ überrascht mit fiepsenden Sound-Beimischungen, Breakbeats und stampfenden Rhythmen über einer packend-engagierten Melodie. Eli hängt sich gesanglich voll rein und rochiert vom smarten Verführer zum sinnlich-ekstatischen Shouter. Der Titel rüttelt wach und es dürstet einem nach mehr.

Aber was ist das? „Grown Up“ tendiert dann doch eher in Richtung seichter Boy-Group-Soul-Verschnitt. Na gut, einen Ausfall kann man verschmerzen. Aber „WooHoo” kann dann auch nicht voll überzeugen. Es wird zwar ordentlich Alarm gemacht und ein zackiger Beat lässt zunächst aufhorchen. Aber dann setzt Eli zunehmend auf Effekthascherei und schielt damit auf ein junges House- und Dance-Pop-Publikum. Auch das Titelstück ist auf die Eroberung der Dance-Charts zugeschnitten. Man hört Konfektionsware mit kurzer Haltbarkeitsdauer, statt einen erdigen Groove mit Langzeitwirkung. Leider ist auch „Lonely World“ nicht überzeugender. Der Titel lädt zum sofortigen Mitsingen ein, aber diese belanglose Nummer ist auch schnell wieder vergessen. Der aggressivere Gesang von „Shock The System“ lässt zunächst hoffen, dass auf der Kratzbürstigkeit der Eröffnungsnummer aufgesetzt wird. Aber leider regieren dann doch eher Einfallslosigkeit, Berechenbarkeit und plumpe Anbiederung an den Massengeschmack, der schnell zupackende, einfache Strukturen verlangt.

Bei „Not Even Once“ und „Ain`t Worth It (Goodbye)“ wird das Gesangstempo gedrosselt. Allerdings reicht das Potential der Songs nicht aus, um an frühere Großtaten von Eli anzuknüpfen. Und es kommt noch schlimmer: „Shoes“ nervt durch seine an Fußball-Fangesang erinnernden Background-Stimmen und eine schlagerhafte Melodie. „Pistol Shot“ beginnt verheißungsvoll mit temperamentvollem Gesang, bietet am Ende aber auch nur heiße Luft. Das klingt bemüht-aufreißerisch und ist kompositorisch unbedeutend. Die Hoffnung, dass wenigstens der Abschlusstitel „Two Broken Hearts“ mit gehaltvollem Songwriting versöhnt, verfliegt auch sehr schnell. Die Melodie bleibt selbst nach mehrmaligem Hören blass, wie so vieles bei diesem Werk.

„Nights Like This“ ist künstlerisch eine Sackgasse. Eine Rolle rückwärts mit anschließendem freiem Fall in die Belanglosigkeit. Stilistisch ist Eli hier komplett auf dem Holzweg. Für die angestrebte neue Hörerschaft wird er immer noch zu „altmodisch“ klingen und seine alten Fans wird er mit seinem an Charts-Platzierungen orientierten Kurswechsel vor den Kopf stoßen. Die Songs zünden zwar sofort, verglühen aber genauso schnell wieder, weil sie so einfach und grobmotorisch gestrickt sind. Die Hinwendung zu aufdringlichem Pop bringt keinen Mehrwert, denn so erschafft man keine Klassiker. Es fehlt an Hingabe, Raffinesse und Substanz. Zwar ist Eli Paperboy Reed immer noch ein brandheißer, elektrisierender, charismatischer Sänger und ein Akzente setzender Gitarrist, er zeigt es nur leider zu selten. Seine wahren Qualitäten, nämlich gesangliche Herausforderungen anzunehmen und schneidend-scharfe Songs abzuliefern, hat er zu Lasten eines bequemeren, berechenbareren Weges aufgegeben. Ein Jammer.

Anspieltipps:

  • Well, Alright Now
  • WooHoo

Neue Kritiken im Genre „Soul“
Diskutiere über „Eli Paperboy Reed“
comments powered by Disqus