Insomnium - Shadows Of The Dying Sun - Cover
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Insomnium Shadows Of The Dying Sun


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Majestätisch. Meisterhaft. Makellos. Das finnische Gespann injiziert skandinavische Schwermut in Perfektion in unsere Herzen.

Hätte es sich bei „One For Sorrow“ (10/2011) um eine schwache Vorstellung von Niilo Sevänen (Gesang, Bass), Ville Friman (Gitarre), Ville Vänni (Gitarre, wurde mittlerweile durch Markus Vanhala ersetzt) und Marcus Hirvonen (Schlagzeug) gehandelt, der Auftakt „The primeval dark“ ihres sechsten Longplayers „Shadows Of The Dying Sun“ würde sinnbildlich wie ein Phönix aus seiner vor Kreativität berstenden Asche steigen. Da der Vorgänger aber nicht weniger als ein weiteres, grandioses Beispiel für das Melodieverständnis des finnischen Vierers war, bekommen wir es beim sukzessiven Werk schlicht und ergreifend mit der logischen und konsequent zu Ende gedachten Weiterentwicklung des typischen Insomnium-Sounds zu tun. Zaghaftes Gitarrenpicking schlängelt sich hier nämlich zu Beginn um einen düsteren Synthie-Teppich, die Drums durchbrechen mit stolz geschwellter Brust die melancholische Szenerie und im Handumdrehen ist man gefangen im wohl besten (Melodic Death) Metal-Album von 2014!

Spätestens beim Einsatz der majestätisch-erhabenen Grundmelodie des anschließenden „While we sleep“, das mit den Nordmannen von Amon Amarth auf Tuchfühlung geht, wird dieser Eindruck mehr als nur bestätigt und die ersten sommerlichen Sonnenstrahlen des Jahres weichen einem schwermütigen Blick über die Täler und Seen des Heimatlandes von Niilo & Co., dem man sich einfach nicht entziehen kann. Etwas flotter, aber keinen Deut schwächer legen Insomnium mit der gefühlvollen Melodeath-Nummer „Revelation“ nach, die, ähnlich wie die etwas später aus den Boxen perlende Großtat „Collapsing words“, von ihrer Nähe zu den Genregrößen Dark Tranquillity und Paradise Lost lebt und diese in puncto Dynamik und Emotion (gemessen an den letzten Outputs der beiden Gruppierungen) sogar um einiges zu überflügeln vermag. Ganz andere Geschütze fahren die Finnen hingegen mit dem von schwarzmetallischen Blastbeats und ruppigen Growls durchzogenen „Black heart rebellion“ auf, das trotz seiner rohen Energie nicht ein emotional aufgeladenes Gitarrenfeedback vergisst und somit trotz der stattlichen Länge von sieben Minuten zu keiner Zeit langgezogen oder uninspiriert wirkt.

Dass Insomnium kein Problem mit großen Gesten haben, beweist der Vierer im wohl zugänglichsten Song ihrer Karriere, dem mit mehrstimmigem Refrain und versöhnlicher Aura ausgestatteten „Lose to night“. Der sanfte Balladentouch könnte dem einen oder anderen Hardcore-Fan womöglich sauer aufstoßen, im Zusammenspiel mit den übrigen Tracks auf „Shadows Of The Dying Sun“ ist die an den Soundtrack eines epischen Fantasy-Spektakels erinnernde Nummer jedoch nichts anderes als ein wunderbarer Beweis für die Wandlungsfähigkeit und Hingabe der vier Finnen. Ähnlich atmosphärisch geht es auch in dem acht Minuten langen Brocken „The river“ zu, der seinen mitreißenden Ritt durch eisige Fjords als dynamisches Meisterwerk mit rauer Raspelstimme und schwelgerischen Klargesang einer 80er Jahre Progressive Rockband würzt. Als Anwärter auf den Titel „bester Song, der nie in die Hitparaden einsteigen wird“ schicken Insomnium das schnell galoppierende „Ephemeral“ ins Rennen, welches mit seiner einnehmendem Melodie in einer besseren Welt sämtliche Herzen und Charts im Sturm erobern würde.

Bevor das Quartett ihr Magnus Opus mit dem leider etwas auf Nummer sicher gehenden, auf Melodeath-Standards beruhenden Titeltrack abschließt, zeugt „The promethean song“ ein letztes Mal von der musikalischen Erhabenheit der finnischen Jungs, indem sie hymnische Elemente mit zum Niederknien schönen Gesangspassagen paaren, die selbst der dunkelsten Seele Trost spenden. „Ein Album, das aus Melancholie, Schmerz und der Trostlosigkeit langer Winternächte geboren, so unnachgiebig und überwältigend wie ein Herbststurm und doch so wunderschön und erfrischend wie die ersten Sonnenstrahlen eines Frühlingsmorgens und friedlich wie ein milder Sommerabend ist“, fasst der beiliegende Pressezettel äußerst treffend die grandiose Erfahrung zusammen, die „Shadows Of The Dying Sun“ dem Hörer in seinen nicht ganz 60 Minuten bietet. Wir sind uns jedenfalls sicher: An diesem Album führt 2014 für Metalfans und generell Musikinteressierte absolut kein Weg vorbei. Ein herausragendes Meisterwerk erster Güte!

Anspieltipps:

  • The River
  • Ephemeral
  • While We Sleep
  • The Promethean Song
  • Black Heart Rebellion

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