Leserkritiken zu
50 Cent - Animal Ambition: An Untamed Desire To Win

  • HipHop/Rap
4.5/10 Unsere Wertung
5.8/10 Leser Stimme ab!

19.11.2016 - 10:18 Sven Nach 30 Millionen verkauften Tonträgern, einem Grammy, diversen Kinorollen, eigenen Kopfhörern, Mode-Kollektionen und unzähligen Dingen mehr haben die Rap-Fans 50 Cent schon etwas aus den Augen verloren, hat er sich vom Untergrund-Rapper doch zum Geschäftsmann und einem der reichsten Rapper der Welt entwickelt und die Musik arg aus den Augen verloren. Mit „Animal Ambition“ veröffentlicht Curtis Jackson nicht nur sein erstes Soloalbum seit fünf Jahren, sondern legt auch die berechnenden Mainstream-Anbiederungen „Curtis“ und „Before I Self Destruct“ ad acta – 50 Cent ist old school und das weiß er auch.

Dementsprechend kombiniert „Fitty“, der übrigens Shady/Aftermath/Interscope verlassen hat und zusammen mit seinem G-Unit Label zu Caroline International gewechselt ist, auf seinem fünften Solostreich alles, was an die guten alten Zeiten zwischen 2003 und 2005 erinnert. In Worten gepresster Erfolgshunger auf kredibilen Street-Beats („Hold On“, „Animal Ambition“) erinnert an „Get Rich or Die Tryin‘“, während durchaus massentaugliche, aber keineswegs aufgesetzte Synthie-, und Party-Banger („Don’t Worry ‚Bout It“, „Smoke“) an dem großen „Massacre“ huldigen. Am meisten überzeugt 50 Cent aber nach wie vor auf vor Hochnäsigkeit nur so strotzenden Laid-Back-Songs wie „Pilot“ oder „Irregular Heartbeat“, über die er sich gewohnt nuschelnd und souverän bewegt.

Der Flashback-Trip, den man während es Hörens bekommt, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich Fifty raptechnisch rein gar nicht weiterentwickelt hat und auch inhaltlich nur die gewohnte Standardkost serviert. Er hat es von der Straße nach ganz oben geschafft („Hold On“), und das nur weil er ein „Hustler“ ist, bewegt sich trotzdem nach wie vor in gefährlichen Kreisen („Everytime I Come Around“) und sowieso ist er immer nur hinter dem Geld her („Chase The Paper“). Einzige Abwechslung bringen da die Featuregäste mit: Kidd Kidd, Jadakiss und Co. liefern Gewohntes ab, verstärken aber den Old School Flair des Albums. Denn wer findet diese Herren noch auf irgendwelchen anderen Tracklists heutzutage wieder? Einzig die Gesangspartner wie Trey Songz oder Mr. Probz reißen den Hörer mit ihren kitschigen Hooks aus dem Geschehen.

„Animal Ambition“ ist ein Mixtape auf Album-Niveau, so sagt es zumindest 50 Cent selbst. Dementsprechend lassen sich die Schwächen durchaus verkraften. Viel mehr überwiegt die Freude darüber, dass Fifty seine Sparte gefunden hat und aufgrund seines Wohlstands nicht mehr mit einem Auge auf die Charts schielen muss. Brüllte „Ayo Technology“ damals noch lautstark „Kauf mich!“, nuschelt „Hold On“ einem eher ein entspanntes „Hey, ist mir doch egal“ ins Ohr. Und diese Lässigkeit hört man in jeder Zeile raus. Für das groß angekündigte und mehrfach verschobene „Street King Immortal“ lässt sich dieses Retro-Konzept aber nicht mehr durchziehen - Geschäftsmann Curtis Jackson hat dafür jedoch bestimmt wieder eine andere Lösung parat.

6/10