Tusmorke - Riset Bak Speilet - Cover
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Tusmorke Riset Bak Speilet


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 71 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Norwegischer Folk- und Retro-Prog, welcher sich außerordentlich verspielt gibt.

Wenn uns jemand klipp und klar machen kann, dass der Prog in wirklich all seinen Spielarten nicht tot und ein Revival der seligen späten 60er- und 70er-Jahre auch heute noch möglich ist, dann sind es die skandinavischen Länder. So auch Tusmørke, welche sich nicht nur tief in den Folk Rock der Marke Jethro Tull bewegen, sondern auch noch einen mehr als deutlichen Kniefall vor Krautrock sowie den Briten Camel und ihren Anfangswerken „Camel“ (1973), „Mirage“ (1974) und „The Snow Goose“ (1975) machen. Neben ihren Landsmännern Glittertind und in Ansätzen auch den Deutschen von Cryptex sind sie da nicht allein. Bis Tusmørke ihre Vision aber verwirklichen konnten, dauerte es. Bereits in den 90er-Jahren fingen die Norweger an, zusammen zu musizieren, bis alles schließlich im Sande verlief und erst im Jahre 2012 der erste Longplayer „Underjordisk Tusmørke“ erschien. Nun macht die Band mit „Riset Bak Speilet“ so weiter, als hätte es nie eine Pause gegeben.

„Riset Bak Speilet“ wird als ein außergewöhnlich stilsicheres Album präsentiert, das an allen Kanten und Ecken die musikalische Inspiration der Musiker nicht verstecken kann. Kein Wunder: Der Schlagzeuger Hlewagastir spielte schon bei Wobbler, einem der wichtigsten Vertreter der aktuellen skandinavischen Retro-Prog-Szene. Selbst sehr spärlich und extrem in den Hintergrund gemischte Growls können nicht viel daran rütteln, dass Tusmørke sich dem Retro Prog, aber auch dem mitunter recht folkigen Skandinavischen Prog der 90er-Jahre verschrieben haben. So ist das Album von Tull'schen Flöten, von psychedelischem, variantenreichem Keyboardspiel und einem beinahe einlullenden Gesang durchzogen. Mit „En Verden Av I Gar“ und dem Titeltrack wurden Longtracks eingespielt, die das Konzept der Norweger auf die Spitze bringen: Orgel, Minimoog, Glockenspiel, Mellotron oder gleich das Chamberlin als dessen Vorläufer - Tusmørkes klangliche Dimensionen sind groß, weit und immer verspielt. Jeder weitere der Songs, von denen gerade mal das sakral anmutende „Mener Vi Alvor Na?“ kürzer als sieben Minuten ist, kann mit kleinen Details überraschen, egal ob nun „Black Swift“ oder „Kairo“ mit ihrem jaulenden Theremin oder die Autoharp im exotisch-schwülstigen „All Is Lost“. Dadurch entfaltet sich mit „Riset Bak Speilet“ ein Werk, welches ziemlich abwechslungsreich ist und schon alleine wegen der Spiellänge von über 70 Minuten vollste Aufmerksamkeit verlangt. Während die Vorbilder Tusmørkes zu ihrer Zeit selbst teilweise die Dreiviertelstunde gar nicht erst erreichten, haben die Norweger so viele Ideen untergebracht wie sie konnten.

Für Progger ist dies ein gelungenes Fressen und nachdem sich große Retro-Progger wie die Flower Kings oder The Tangent mittlerweile schwer tun, neue Akzente zu setzen, sind Tusmørke noch ziemlich frisch und unverbraucht. Den Ideen alter Acts mischen sie diese ganz eigene, norwegische Duftnote unter, die auch schon Glittertind höchst interessant machte. Dadurch sollte das Konzept von Folk und Retro Prog auch den Menschen nahe gebracht werden, die sich bislang scheuten, zu tief in den Wühlboxen des hiesigen Second-Hand-Plattenladens zu stöbern. Die hohe Musikalität, das Krude, das Kauzige haben sich Tusmørke jedenfalls bewahrt und auch wenn es unwahrscheinlich erscheinen mag: Sollte erneut ein Trend entstehen, sind die vier Herren aus Norwegen mit Sicherheit ganz vorne mit dabei!

Anspieltipps:

  • Gamle Aker Kirke
  • Black Swift
  • Riset Bak Speilet
  • En Verden Av I Gar

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