Vainaja - Kadotetut - Cover
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Vainaja Kadotetut


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Finnische Ritualmorde treffen auf einen leider sehr generischen Death-Doom.

Im finnischen Hinterland des 19. Jahrhunderts stieg ein Kult auf, dessen Grausamkeit seinesgleichen suchen sollte. Von einem Priester namens Wilhelm und seinen Schriften geleitet, verschleppten die Mitglieder ahnungslose Menschen, versklavten sie und übten Ritualmorde an ihnen aus, indem sie diese bei lebendigem Leib begruben. Harter Tobak - und eine ideale Inspiration für eine Band, die ja schlecht ein weiteres Mal über die Morde am Bodom-See singen kann. So greift das finnische Trio bestehend aus dem „Prediger“ Wilhelm Wainaa (Bass, Gesang), dem „Grabschaufler“ Aukusti Wainaa (Schlagzeug, Gesang) und dem „Kantor“ Kristian Wainaa (Gitarre, Gesang) - alle drei beziehen ihre Inspiration aus tatsächlichen Mitgliedern des Kultes - dieses extrem dankbare Thema auf. Mehr noch: Ihren stark in den 90er-Jahren verwurzelten Death und Doom bezeichnen die Musiker Vainajas als „die wohl härteste Platte die je mit finnischen Vocals aufgenommen wurde“. Eine zweifelhafte Aussage, die eigentlich zuerst jeder halbwegs bewanderte Metaler belächelt. Richtig zackig und rabenschwarz geht es auf dem Debütalbum „Kadotetut“ aber ohne Frage zu.

So entsteht ein Werk, welches abgründigen Death-Doom von Gruppen wie den frühen My Dying Bride oder Paradise Lost mit dem kruden Außenseitertum Kampfars und einem beinahe schon einkalkulierten Einschlag von Folk und kontemplativen, atmosphärischen Parts kombinieren will. Mit letzteren Zutaten wird das Album in Form von „Lankeemus“ eingeleitet, bis schließlich der eigentliche Opener „Väärän ristin valtakunta“ grollend und scheppernd bitterbösen Doom in die Lauscher feuert. „Kahleiden kantaja“ und „Verinen lähde“ folgen dem Beispiel, während „Risti kädessäni“ und ganz besonders „Valon lapset“ zünftigen Todesblei bieten, welcher aus der vorangegangenen Lethargie befreien will. Das machen Vainaja auch gar nicht schlecht. Ähnliche Kombinationen hat man in den vergangenen 20 Jahren aber schon weitaus inspirierter und spannender hören dürfen, weshalb eine überdurchschnittliche Beherrschung der Instrumente kaum ausreicht, um songwriterische Defizite zu kaschieren. Wirklich interessant wird es erst dann, wenn Vainaja einen Spaziergang auf dem Friedhof machen und mit „Viimeinen tuomio“ gekonnt mit Kontrasten spielen. Härte trifft hier auf eine fast in sich gekehrte Ruhe, die folkigen Passagen sind nicht aus einem Selbstzweck heraus entstanden, sondern geschickt eingebaut. Das gilt jedenfalls nicht für das Intermezzo „Henkikaste“ und das bereits angesprochenen Intro „Lankeemus“. Der Hörer bekommt das Gefühl, dass Vainaja diese Songs geschrieben haben, weil man es von ihnen erwartet. Weil es immer irgendwie gut ankommt und dem Album einen doppelten Boden gibt. Weil es so viele andere Bands auch machen.

Auch das ist fatal und gibt dem an und für sich ordentlich ausgeführten Konzept der Finnen den bitteren Nachgeschmack, dass sie mal abgesehen vom interessanten geschichtlichen Hintergrund, nicht mehr und nicht weniger als ein weiterer Genrevertreter sind, welcher eben auch nur Fans der Spielart ansprechen wird. Das sind Fans, die schon alles kennen, die nicht genug von Doom bekommen sollten und deshalb ihren Weg zu den unheiligen Tatorten der finnischen Rednecks finden. Ein größeres Publikum werden Vainaja aber in ihrer jetzigen Form noch nicht ansprechen können. Dafür sind sie noch zu farblos, müssen eine wirklich eigene musikalische Identität finden und gekonnter mit ihren vielen Einfällen umgehen. Vielleicht auf dem nächsten Album.

Anspieltipps:

  • Valon lapset
  • Viimeinen tuomio
  • Kadotettu

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