Nightsatan - Nightsatan And The Loops Of Doom - Cover
Große Ansicht

Nightsatan Nightsatan And The Loops Of Doom


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 48 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Der unterkühlte Sound für die Postapokalypse – funktioniert ohne den beigelegten Kurzfilm vielleicht sogar noch besser.

Wenn es um Metal geht, dann ist der Begriff „Special Interest“ nie weit. Krude Experimente aus dem Underground sind genauso schnell verschwunden, wie sie gekommen sind, und werden höchstens noch von wirklich Musikinteressierten beachtet. Dass sich abseits des Mainstreams neben kalkulierten Experimenten auch immer wieder extrem heiße Acts befinden, sollte allerdings ebenfalls klar sein. Die finnischen Synthie-Exentriker von Nightsatan sind ein solcher Geheimtipp und es wäre ihnen zu wünschen, dass sie zumindest kleine Achtungserfolge feiern und ihr Ding so lange wie möglich durchziehen können. Ihre Musik beschreiben sie unter anderem damit, dass der Soundtrack von Miami Vice auf Heavy Metal trifft. Aber an dieser Stelle beginnt die Farce. Nightsatan, ihre Musik, ihre gesamte Ästhetik und ihre Vision liegen fernab irgendwelcher Erwartungshaltungen. Ihr zweites Album „Nightsatan And The Loops Of Doom“ wirkt eher wie ein Kunstprojekt. Musik zu machen hat dem Trio anscheinend nicht gereicht. Stattdessen wurde ein Kurzfilm gedreht, zu dem sie die Filmmusik schrieben - oder umgekehrt? Wie dem auch sei: Hier beginnt der absolute Wahnsinn.

Das Jahr 2034. Wolf-Rami (Muskeln, Synthesizer), Mazatoth (Gehirn, Synthesizer) und Inhalator II (Herz, Drums) aka Nightsatan sind im postapokalyptischen Karelien unterwegs, nur ihre Liebe zur Musik hält sie am Leben. Als sie eines Tages eine im Wüstensand vergrabene Frau finden, die durch eine Maschine dazu gezwungen wird, in einem Loop zu schreien (Loop Of Doom), eilen Nightsatan zu Hilfe. Der Kurzfilm mit einer Länge von 24 Minuten ist Trash der allerschönsten Sorte, eine Art Vintage-Italo-Sci-Fi-Western, wie es die Band selbst treffend beschreibt. Demnach ist der Look dreckig, die weiblichen Darsteller sehr leicht bis gar nicht bekleidet und der Gore-Gehalt bewegt sich in Exploitation-Gefilden. Wenn Wolf-Rami einem Widersacher zuerst durch den Schädel schlägt und dann seine Haut isst, ist das nichts für schwache Gemüter, ebenso aber mit dem flegelhaften Witz des B-Movies ausgestattet. Ein besonderer Clou: Obwohl das Film- und Musikprojekt aus Finnland kommt, wird im Film durchgehend Italienisch gesprochen, was nicht nur als Hommage zu verstehen ist, sondern dem ganzen kruden Charme eine weitere Nuance verleiht.

Musikalisch hält man sich zumindest während des Films ein wenig zurück. Die 14 Kompositionen des Soundtracks halten sich bis auf wenige Momente im Hintergrund und wollen erst dann richtig entdeckt werden, wenn das eigentliche Musikalbum seinen Weg in die Anlage findet. Nightsatans eigene Sub-Genre-Idee des „Post-Apocalyptic Laser Metals“ ist dabei irreführend. Bis auf ein paar wirklich spärlich eingesetzte Gitarrenriffs, ist der Soundtrack ohne Frage ein Werk, welches viel mehr Elektronika ist - die Übergänge in experimentelle Gefilde und selbst Lounge, wenn es sehr kontemplativ wird, sind dabei fließend. Wer sich jemals mit Sci-Fi der 80er-Jahre auseinandergesetzt hat, wird sich ein Bild davon machen können, wie „Nightsatan And The Loops Of Doom“ klingen. Eine außerordentlich dichte, beeindruckend unterkühlte Atmosphäre trägt die Postapokalypse direkt in die Gehörgänge. Nicht zuletzt durch die enorme musikalische Leistung der beiden Musiker Wolf-Rami und Mazatoth wirkt das Ergebnis rund und stimmig. Selbst der Drumcomputer von Inhalator II passt. Letzteres hätte man einer Metal-Band nie durchgehen lassen. Aber Nightsatan sind konsequent anders.

So entsteht ein faszinierendes Werk zwischen grausigstem Trash und hoher Kunst. Besonders der beigelegte Kurzfilm wird polarisieren, während die eigentliche Musik das eventuell angedachte, langhaarige Publikum höchstwahrscheinlich nicht erreichen wird. Wer sich offen genug gibt, im besten Falle auf sphärischen Synthie-Sound des 80er-Jahre-Science-Fiction (was auch oder sogar speziell Anime aus dieser Zeit betrifft) steht, der sollte sich das rein instrumentale „Nightsatan And The Loops Of Doom“ unbedingt geben. Hier haben wir es mit einem Geniestreich zu tun. Dieser steht sich durch seine trashige Ausrichtung zwar leicht selbst im Wege, doch funktioniert er auf musikalischer Ebene auch bzw. vielleicht sogar noch besser, wenn er für sich alleine und losgelöst genommen wird.

Anspieltipps:

  • (Obey) Thy Master
  • Secret Of The Mystery
  • Nightmare In The Night/Doomsday Judgement
  • Battle Knights
  • Rejects Of The Wasteland

Neue Kritiken im Genre „Electro“
8/10

Atlantic Oscillations
  • 2019    
6.5/10

A Bath Full Of Ecstasy
  • 2019    
Diskutiere über „Nightsatan“
comments powered by Disqus