Cro - Melodie - Cover
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Cro Melodie


  • Label: Chimperator/Groove Attack
  • Laufzeit: 44 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Nachfolger zur Doppel-Platin-Sensation „Raop“ ist ein im wahrsten Sinne des Wortes laues Lüftchen.

Panda-Maskenmann Carlo Waibel alias Cro (24), erfand im Sommer vor zwei Jahren den „Raop“ (Rap-Pop) und avancierte damit zu einem kommerziellen Phänomen, das Gold- und Platin-Auszeichnungen im Abonnement einfuhr und bis dato mehr als 2,5 Millionen Tonträger verkauft hat. Bemerkenswert ist dabei, dass Cro nicht das Vertriebsnetz und die finanzielle Kraft eines Majorlabels im Rücken hat, sondern trotz sicherlich vorhandener Major-Angebote dem kleinen Stuttgarter Indie-Label Chimperator Productions die Treue hält.

Wenn Bushido Deutschlands selbsternannter Gold-Rapper ist, dann ist Cro nicht nur Europas Platin-Rapper, sondern auch die neue Definition eines Popstars mit eigener H&M-Kollektion, sowie als Werbepartner von Kangaroos und McDonald’s und mit 39 Millionen Views auf YouTube. Höher kann eine Erwartungshaltung an ein Album also kaum sein, wenn Cro mit „Melodie“ nun sein offizielles Zweitwerk in die Läden stellt. Wieder ist es Sommer wie bei „Raop“ (07/2012), erneut hat Cro den Großteil seiner Musik selbst produziert und mit der ersten Auskopplung „Traum“ hat der Schwaben-Rapper seine erste Nummer-Eins-Single am Start. Die Voraussetzung sind also gut, um dem Druck eines Doppel-Platin-Albums standzuhalten.

Inhaltlich etwas schärfer formuliert, allerdings ohne wirklich in die Tiefe zu gehen und musikalisch nachwievor zwischen HipHop und Pop unterwegs, erhielt „Melodie“ die klare Vorgabe, das Erfolgsrezept von „Raop“ keinesfalls signifikant zu verändern. Auf diese Weise geht „Melodie“ von vornherein auf Nummer sicher, auch wenn die Raps im Vergleich zu den Gesangsparts gefühlt etwas stärker in Erscheinung treten und damit die alte Tradition von „Rap City Benz Town“ weiterführen. Hieran lässt sich eine leichte Zerrissenheit auf Cros neuem Album erkennen, der auf der einen Seite vom süßen Honig des Teenie-Stars und kommerziell erfolgreichen Mainstream-Rappers kosten darf, auf der anderen Seite aber auch nach Anerkennung und Beachtung der Szene lechzt.

Doch dazu sind Cros Raps nicht virtuos genug und die Beats nur selten so fett wie im Intro-Doppel „I can feel it“ und „Meine Gang (bang bang)“. Cros Sprache ist Pop. Und so ist „Traum“ ein mit allen Mitteln auf Hit gebürsteter Popsong, „Bad Chick“ ist eine Zeitgeist-Adaption des alten Fanta-Vier-Hits „Die da“, „Never Cro up“ und „Cop girl“ orientierten sich am US-HipHop der frühen 90er Jahre und „Vielleicht“ ist ein Allerwelts-R&B-Track. Das ist weder originell, noch auf irgendeine Weise künstlerisch wertvoll. Doch die Krönung des konstruierten Rap-Pops wird erreicht, wenn kurz vor dem Ende auch noch E-Gitarren in „Jetzt“ und „Wir waren hier II“ auftauchen. Denn mehr Trend-Anbiederung geht kaum.

Mit der Art von Musik, die Cro macht, muss er so gut und so schnell es geht, jeden Euro mitnehmen. Also her mit neuen Werbeverträgen und weiteren Nummer-Eins-Plätzen in den Charts. Es sei ihm gegönnt. Denn es wäre erstaunlich, wenn dieser belanglose Rap-Pop noch zwei Sommer übersteht und die Spitze des Genres darstellt. Kein Wunder, dass der eine oder andere Rap-Kollege vor Wut die Faust in der Tasche ballt und den nächsten Diss an den Start bringt, der Cro vielleicht egal sein mag, aber nicht spurlos an ihm vorübergeht, wie Zeilen wie diese auf „Melodie“ beweisen: „Ey, sag mir, was kann ich dafür, dass sie deinen Scheiß nicht fühlen, also piss mich bitte nie wieder an, aight?“

Anspieltipps:

  • Traum
  • Rennen
  • Melodie
  • Cop Love

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