Linie - Negative Enthusiasm - Cover
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Linie Negative Enthusiasm


  • Label: recordJet
  • Laufzeit: 29 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Von flegelhaftem Rock geradewegs in den Elektro-Limbus.

Nachdem sich die fünf Hamburger Jungs von Linie im Jahre 2012 formierten, sind sie allmählich am Ziel angelangt und hauen ihre EP „Negative Enthusiasm“ raus, welche die junge Band und ihre musikalischen Visionen vorstellt. Dass die Musiker dabei vorhaben, einen ganz eigenen Weg zu gehen und der eine oder andere Vergleich mit Helden wie den Queens Of The Stone Age am Ende auch nicht mehr als ein Anker ist, der am Meeresboden liegt und schon bald wie von alleine gelichtet wird, stellt sich beim Hören ihres Debüts überaus rasch heraus. Denn auch wenn man die Gruppe irgendwie einordnen kann oder will, macht sie dem Hörer spätestens dann einen Strich durch die Rechnung, wenn der Sound eine 180-Grad-Wende nimmt und in völlig neue Richtungen geht. Das mag ein wenig unaufgeräumt klingen - eine gewisse Faszination macht sich aber dennoch breit und Interesse sollten die Hamburger eh geweckt haben.

„Negative Enthusiasm“ ist ein Werk mit zwei Polen, welche komplett unterschiedliche musikalische Ausrichtungen der Hamburger zeigen. „Vulgar Sequence Of Needs“, „The Mover“, „You Didn't Learn Anything“ und „Blue Daydreaming Blues“ sind harte Alternative-Rocker, mal ein wenig punkig, mal mit metallischen Arrangements versehen. Hier gibt es keine Kompromisse und wer mal wieder einen Grund für zünftigen Pogo sucht, sollte durchaus fündig werden. Dann folgt der große Knall mit dem so niemand wirklich gerechnet hat. Richtig interessant wird es, wenn sich Linie experimentell austoben. Denn dann zeigen sich die wahren Qualitäten der Band und - ob sie will oder nicht - die weitaus stärkeren Seiten. Sowohl „Chewing Gum (Licked)“ als auch „Chewing Gum (Sick Edit)“ überraschen mit einer starken elektronischen Ausrichtung. Besonders der Sick Edit brennt sich mit seinem hypnotischen Beat und seiner beinahe schon verstörenden Atmosphäre in die Gehörgänge. „German Angst“ unterlegt ein Sprachsample (auf deutsch) mit schwülen, pulsierenden elektronischen Effekten, „Bluesky“ ist eine rein instrumental gehaltene Melange aus Effekten und Pianospiel - wenn Linie in der Sparte des Alternative Rock angesiedelt werden sollen, passt dies hier nicht mehr wirklich. Glücklicherweise funktionieren die Experimente derart gut, dass man sich gerade von solchen mehr wünscht.

Ein eventuelles Gimmick wird dann zu einer vollwertigen Alternative. Dadurch erscheint „Negative Enthusiasm“ nicht zwangsläufig heterogen, sondern eher wie ein fast schon kalkuliertes und irgendwie dann doch auch geordnetes Portfolio. Und das ist gut so. Die Hamburger machen es richtig und stellen sich und ihre Vielseitigkeit im kleinen Rahmen vor. Was aber noch wichtiger ist: Sie schütteln mal so eben astreine Experimente aus dem Ärmel, welche Sperrig- und Andersartigkeit nicht verleugnen können, aber dennoch total smooth und eingängig zünden. Gerade hier spielen Linie ein Ass nach dem anderen aus und sollten unbedingt auf diese Stärken setzen, wenn es in Richtung Debütalbum geht. Die Spielzeit von einer knappen halben Stunde reicht dann aus, um erahnen zu können, dass man es hier mit einem Geheimtipp zu tun hat, der diese Stellung wohl auch in Zukunft weiter ausbauen wird. „Negative Enthusiasm“ ist ein Kleinod voller Extreme, kreativ und eingängig zugleich. Unbedingt antesten!

Anspieltipps:

  • Vulgar Sequence Of Needs
  • German Angst
  • Chewing Gum (Licked)
  • Chewing Gum (Sick Edit)
  • Bluesky

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