Saidah Baba Talibah - (S)Cream - Cover
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Saidah Baba Talibah (S)Cream


  • Label: India Records/Rough Trade
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Stimmliches Talent aus Kanada: Explosiv, mitreißend, multikulturell.

Reisen erweitert bekanntlich den Horizont, weil man von vielen verschiedenen Einflüssen profitiert. In der Musik verhält sich das offenkundig ähnlich: Saidah Baba Talibah, eigentlich Soulsängerin, lässt sich nicht so leicht kategorisieren und schaut über ihren eigenen Tellerrand hinaus. Neben dem spürbaren Talent für Blues, offenbart die Kanadierin einen Instinkt für (fast alternativen) Rock und perkussiven Funk. Dabei scheint sie sich immer genau die Elemente herauszupicken, die ihr im jeweiligen Moment am meisten Spaß machen. Wer alles mag, kann eventuell auch Musik für alle machen.

Dabei wurden der kanadischen Newcomerin die Einflüsse sozusagen mit in die Wiege gelegt. Die Mutter Bluessängerin, die Tante Jazz-Sängerin, der Onkel ein Jazzsänger und Pianist, von dem selbst John Coltrane begeistert war. Aufgewachsen in der multikulturellen Großstadt Toronto probierte sich die Kanadierin mit dem afrikanischen Namen an der Kunstschule zunächst am Tanzen, bevor sie in ihrer Liebe zur Musik so richtig aufging. Sie nahm Gesangsunterricht, lernte Tuba spielen und baute damit die Passion, die sie schon als Konzertbegleitung ihrer Mutter kennenlernte, weiter aus.

Saidah Baba Talibahs Name bedeutet so viel wie „glücklich“, „an einem Donnerstag geboren“ und auf der „Suche nach Wissen“. Die Lebensfreude, die in dieser Bedeutung steckt, nimmt man ihr augenblicklich ab. Auf der Bühne zeigt sie sich immer mit Band und auch hier verbinden sich die unterschiedlichsten Elemente: Die von ihr selbst geliebte Tuba ist ebenso anzutreffen, wie Bläser, Keyboardspieler und Background-Sängerinnen. Mittendrin, immer präsent und trotz des ganzen Aufgebots unüberhörbar: Saidahs kräftige Stimme. Zuweilen schmeichelt und flüstert sie, meist jedoch faucht und kratzt sie, ohne dabei auch nur einmal den Ton zu verfehlen. Die stimmliche Qualität ist beeindruckend und mitreißend, einmal gehört ist sie unverkennbar.

Durch diese Prägnanz ist das Album jedoch auch keinesfalls etwas für nebenher. Man lässt sich entweder komplett darauf ein oder man lässt es bleiben, was vermutlich als eine der wenigen Schwachstellen der CD gewertet werden kann. Der Opener „Revolution“ und der Albumname „(S)Cream“ dürfen durchaus wörtlich genommen werden. Rock verbindet sich mit Soul, bevor mit „On my knees“ bewegende Beats einsetzen. Nur selten werden dem Hörer Verschnaufpausen gegönnt: „Good morning baby“, „No More“ und „GittaKnowYa“ fungieren als Balladen zwischen den Dammbrechern. Es steckt eine ansteckende Energie in diesem Album, der man sich nur schwer entziehen kann. Trotz der vielen Einflüsse passt alles zusammen. Soul-Musik für die breite Masse. Im positiven Sinne.

Anspieltipps:

  • Revolution
  • (S)Cream
  • On my knees
  • Place called grace

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