Opium Warlords - Taste My Sword Of Understanding - Cover
Große Ansicht

Opium Warlords Taste My Sword Of Understanding


  • Label: Svart Records
  • Laufzeit: 72 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht jede Grenzüberschreitung ist interessant, nur weil sie eine Grenzüberschreitung ist.

„Taste My Sword Of Understanding“: Nun schmecke das Schwert des Verstehens! Einen besseren Titel hätte Sami Albert Hyninnen (Spiritus Mortis, The Puritan, Reverend Bizarre) für das dritte Album seines Projektes Opium Warlords nicht wählen können. „Wenn du verstehen möchtest, was ich von dir will, dann musst du Schmerzen in Kauf nehmen“, hatte der Herr Hyninnen sicherlich im Hinterkopf. Eine wirklich neue Erkenntnis ist das auch nicht, denn verglichen mit den kruden Opium Warlords waren die anderen Bands von Hyninnen schon immer zahme Kätzchen. Und genau das werden sie auch nach dem Hören von „Taste My Sword Of Understanding“ bleiben. Das 72 Minuten zählende und somit ziemlich lange Werk ist nicht nur eine extreme Erfahrung, sondern meint es teilweise auch ein wenig zu gut.

Direkt am Anfang ist zu sagen, dass „Taste My Sword Of Understanding“ eigentlich ein durch die Bank weg hervorragendes Album ist, welches Freunde von Doom-, Post- und Avantgarde-Metal geradezu vergöttern werden. Eigentlich. Das große Problem unter dem dieses Werk leidet, ist ein künstlerischer Selbstzweck, zu dem viel zu oft gegriffen wird und der letzten Endes genau das Gegenteil von dem bewirkt, was er eigentlich will. Somit wird der Opener „The Sadness Of Vultures“ direkt zu einer Selektion: Die gut fünf Minuten können gut und gerne als Belastungsprobe verstanden werden, denn „The Sadness Of Vultures“ ist streng genommen nicht mal ein Song. Die extrem verstimmten Gitarren, ein wenig Noise, ein bisschen Lärm, ein wenig von dem Hypnotisieren, weil man eben hypnotisieren will, weil es en vogue für das Genre ist und man es gar nicht zu wenig machen kann - fertig! Wirklich spannend oder gar intelligent und wirkungsvoll eingesetzt wird das aber nicht. „The Land Beyond The Pole“ folgt dem Beispiel, das geschlagene neun Minuten lange „The God In Ruins“ irritiert mit Soundfetzen und Spoken Word, während das weitere Intermezzo „Manisolas From Misandria“ dem am nahesten kommt, was ein Lied genannt werden will, aber munter sperrig der Sperrigkeit wegen erscheint. Als Hörer kann man Hynninen ja irgendwie auch verstehen, nachvollziehen was er will. Aber wie so oft: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Und nicht jede Grenzüberschreitung ist interessant, nur weil sie eine Grenzüberschreitung ist.

Die andere Seite des Albums dagegen trumpft so richtig auf und vollendet die Ansätze der erwähnten Titel nicht nur sinnvoll, sondern auch richtig gut. „The Self-Made Man“ - vielleicht der eigentliche Opener - ist ein Doom-Monolith allererster Güte, welcher nach dem Intro-Dämpfer direkt zeigt, zu was Opium Warlords imstande sind. Spannend, kurzweilig, jedoch experimentell genug, um nicht als Kompromiss zu gelten. Wer Doom Metal mag, wird den von erdrückenden Riffs und einer Orgel durchzogenen Song lieben. Ähnliches gilt für „Mount Meru“, eine musikalisch gewordene Boshaftigkeit, und für „The Solar Burial“, welches zwischen Drone-Doom-Lethargie und Entspannung hin- und herpendelt, nur um schließlich in einer gewaltigen Eruption zu münden, die zum Ende mit schwelgerischer Mystik einen weiteren Kontrast setzt. Das Schlusslicht „In Melancholy Moonless Acheron“ hingegen ist dann ein Outro, welches im Gegensatz zu den Intermezzi und Klangexperimenten aus Notwendigkeit, zündet und klare Wirkungen erzielt. Hier schießen die Opium Warlords nicht über das Ziel hinaus, sondern folgen einem klaren Konzept.

Besondere Beachtung verdient nebenbei der wirklich gute Gesang von Sami Albert Hynninen. Er setzt sich nicht nur aufgrund der Tatsache ab, dass er clean ist, sondern erreicht zu seinen besten Momenten dieses Predigende, was so viele Genrevertreter anpeilen, was aber auch all zu leicht in die Hose gehen kann. Dann zeigen sich die Klasse des Projekts, die Faszination und eine enorme Intensität, welche den Hörer für Konzentration und Durchhaltevermögen belohnen. Auch wenn die Skip-Taste das eine oder andere Mal betätigt werden wird, weil „Taste My Sword Of Understanding“ ein heterogenes und äußerst anstrengendes Album ist, lohnt es sich, wenn geneigte Hörer ins kalte Wasser springen und sich der Herausforderung stellen. Von „absolut genial“ bis „belanglos und verzichtbar“ bietet dieses Werk so ziemlich alles.

Anspieltipps:

  • The Self-Made Man
  • The Solar Burial
  • Mount Meru
  • In Melancholy Moonless Acheron

Neue Kritiken im Genre „Post Metal“
8.5/10

On The Steps Of The Temple
  • 2014    
Diskutiere über „Opium Warlords“
comments powered by Disqus