Baby Guru - Marginalia - Cover
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Baby Guru Marginalia


  • Label: Inner Ear/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Wortwitz sei vergeben, doch wenn sich Baby Guru im letzten Drittel entscheiden, von Retro-Indie-Rock auf Kraut umzuschalten, ist die Veränderung mehr als nur marginal.

Wenn einem Kritiker eine CD gefällt, dann schwingt auch immer ein wenig schlechtes Gewissen mit. Man fragt sich, ob der persönliche Geschmack gerade objektive Ansichten verdeckt und man sich zu Lobhudeleien hinreißen lässt. Selbst ein so abwechslungsreich extrovertiertes Album wie Baby Gurus „Marginalia“ ist nicht frei von solchen Momenten. Wenn „Baby You're So Weird“ von einer simplen, aber schön passenden Bass-Linie getragen wird, dann muss man das auch mögen, um in dem Lied vielleicht mehr als nur ein angenehmes Zwischenspiel zu sehen. Doch glücklicherweise bietet „Marginalia“ eine solch breite Palette, dass der Geschmack eines Einzelnen gar nicht zu entscheidend werden sollte. Oder ist genau solch ein Album dazu verdammt, von Person zu Person von Hit zu Miss zu mutieren?

Die drei überwiegend bärtigen Männer von Baby Guru nehmen auf Jahrzehnte und Einflüsse keine große Rücksicht. Es geht ihnen nicht darum, eine spezielle Phase nachzuahmen. Stattdessen beginnen sie das Album als Konkurrent zu den Beach Boys und The Beatles mit „Especially When“, machen weiter mit der Neu-New-York-Radio-Single „Baby You're So Weird“, nur um mit „Exegesis“ und dem Titeltrack eine kleine Space-Rock-Oper zu starten. Auf „Marginalia“ ist eine Menge los und obwohl das alles recht unterschiedliche Wurzeln hat, findet die Band mit psychedelischem Indie-Rock eine feste Plattform, um Geschmäcker möglichst gut vereinen zu können.

Abgesehen vom leeren „Explain“ schaffen die ersten beiden Drittel ein derart buntes Gesamtbild, dass wohl selbst Retro-Feinde weich werden könnten. Zu groß ist die Abwechslung, zu gut die meisten der Melodien. Man muss psychedelische Elemente schon verteufeln, um diesem Teil des Albums nichts abgewinnen zu können. Aber dann gibt es ja noch die Kehrtwende, die die Tür für weitere Kritik öffnet. Die repetitive Kraut-Rock-Nummer „Two Days Ago“ ist der Startschuss einer Generalüberholung. Baby Guru werfen die Vielfalt und den Großteil der gewählten Stil-Elemente über Bord und starten mit krampfhaftem Wahnsinn durch.

„Turtle Hearts“ kann noch am ehesten an den Opener erinnern, doch plötzlich bekommen Synthies und Keyboard-Soli viel mehr Platz und versuchen wohl, edgy zu sein. Das Ergebnis ist ein Gedudel, welches spätestens in „Anticipation“ der Schönheit von Fingernägeln auf einer Kreidetafel gleichkommt. Vielleicht war der Band der Großteil des Albums zu poppig und es sollten ein paar Kanten hinzugefügt werden, doch die am Ende vorgenommenen Änderungen sind unverdaut und sinnlos brachial. All das Feingefühl des Anfangs wird fern von diesem Konzept und auch schlichtweg weniger gut für den Abschluss abgeschnitten und so wird aus einem potentiellen Geheimtipp des Jahres mit einem Fingerschnippen ganz schnell ein nur noch gutes Album, welches sich stets für den Ausklang entschuldigen müssen wird.

Anspieltipps:

  • Especially When
  • Exegesis
  • We Need Some Space

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