Alle Farben - Synesthesia - Cover
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Alle Farben Synesthesia


  • Label: B1 Recordings/Sony Music
  • Laufzeit: 69 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mehr für Bein, Herz und den Sommer, als für Hirn und Anspruch.

Berlin Tempelhof begleitet Frans Zimmer nun schon eine ganze Weile. Mitte des Jahres 2012 gelang ihm dort vor circa 30.000 Menschen der Sprung vom Geheimtipp der Berliner Techno- und House-Szene zum europaweit gefragten DJ. In diesem Bewusstsein musste Tempelhof auch der Ort sein, an dem Zimmer über Facebook sein Debütalbum als Alle Farben ankündigte. Nur ein roter Faden ist in Zimmers Karriere stärker präsent als dieser stillgelegte Hafen zur Welt: Katzen. Ein zum Comic stilisierter Katzenkopf mit starken Konturen, Schlitzaugen und runden Ohren schmückt EPs, DJ-Sets, Gig-Poster und die an Feiertagen obligatorischen Facebook-Grüße an die Fans.

So ziert auch „Synesthesia“ eine Katze auf dem Cover. Erwachsen ist sie geworden, eine ernst dreinblickende Collage aus Kopf und Anzug. Wer denkt, dieser Wandel habe sich auch auf den Sound ausgewirkt, der irrt. Eher im Gegenteil. Zimmer ist bekannt dafür, in Sets Musikrichtungen zu vermischen und selbst mit untypischen Genres und Sounds für Euphorie auf der Tanzfläche zu sorgen, solang das ganze mit einem Beatteppich unterlegt ist. So weit, so bewundernswert, doch ein Album ist eben doch eine andere Plattform und ist mit rechtlichen Komplikationen verbunden, möchte man auch hier Tracks von Max Cooper, Coeur de Pirate und Digitalism einbauen. Also muss die Eigenproduktion her.

Für Zimmer ist das zwar kein Neuland, doch trotzdem kommt ihm dabei einiges an Verspieltheit und Abwechslungsreichtum abhanden. Die Pianoklänge, die in „Leaves“ den Beat begleiten, die Folk-Fusion in „She Moves“ mit Vocals à la Avidan, die Avicii (tanz-)flächendeckend vorgemacht hat... das klingt alles in den ersten Minuten ganz nett. Doch irgendwann geht einem das kompromisslose Sommer-Sonne-Feeling mit Xylophon („Synesthesia“), Uh-uh („Blue“) und gehauchten Vocals nur noch auf die Nerven. Das hat schon bei Koletzki für unerträgliche Gleichschaltung der Emotionen gesorgt. Für Massenveranstaltungen mag das DAS Verkaufsargument sein, aber ein Album ist eben kein Live-Set. Eine Devise, die leider die wenigsten Elektro-Produzenten verstehen.

Das macht die Tatsache, dass Alle Farben es in dem Format doch anders könnte, leider noch trauriger. Mit dem French-Elektro-Track „D. Punk“ und mit „Because Of You“, das einen brillanten und eingängigen Refrain mitbringt, sind nämlich zwei kleine Perlen auf das Album gerutscht, die sich von der restlichen Masse abheben und auch in anderen Kontexten funktionieren können. Es mag den „Sommer des Lebens“ geben, doch wer den dieses Jahr nicht hat, den wird dieses Album darüber hinaus auch nicht mehr begleiten. Es ist für diese Draußen-Festival-Gartenparty-Saison gemacht und, das muss man dem Album lassen, dafür ist es durchaus gut geeignet. Die Playlist ist eingängig, kantig wie Watte und versprüht gute Laune. Mehr wird von „Synesthesia“ wahrscheinlich sowieso nicht erwartet. Besser geht trotzdem.

Anspieltipps:

  • Because Of You
  • D. Punk
  • Leaves

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