Fujiya & Miyagi - Artificial Sweeteners - Cover
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Fujiya & Miyagi Artificial Sweeteners


  • Label: Yep Roc/CARGO
  • Laufzeit: 38 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Abgeklärter Maschinen-Elektro und Glücksgefühle.

Es gibt eine Reihe von Missverständnissen, denen sich das japanische Duo von Fujiya & Miyagi regelmäßig ausgesetzt sieht. Zunächst sind sie kein Duo, sondern ein Trio, und nicht aus Japan sondern aus England, genauer aus Brighton. Und dann ist da noch der musikalische Einfluss, der eben weniger von Synthie-Bands der 80er-Jahre stammt, sondern vielmehr dem deutschen Krautrock der 70er-Jahre Tribut zollt, Kraftwerk und Neu! beispielsweise.

Die Parallelen sind schnell klar: Ausladende Gitarrenriffs, unnachgiebige Beats und eine drückende Bassline bilden den musikalischen Raum für quirlige und knallige Synthie-Blubberblasen. Die Instrumente sind präzise aufeinander abgestimmt, schlagen punktgenau auf den Rhythmus ein. Der fehlende Beat-Offset sorgt für mechanische Kälte, über die sich Sänger David Best geradezu emotionslos, manchmal flüsternd erhebt. Unbeeindruckt vom musikalischen Treiben um ihn herum, gibt er seine Texte zum Besten, die oft auf einzelne Sätze komprimierte Botschaften darstellen, die er wie Mantras wiederholt.

Dabei greift die musikalische Vielfalt trotz klaren Ursprungs nach einer Vielzahl von Einflüssen. Wie schon auf früheren Alben lassen sich die Jungs auf „Little Stabs At Happiness“ von Elektro-Funk inspirieren und jubeln dem auch noch 8-Bit-Midis unter. „Flaws“ und „Tetrahydrofolic Acid“ sind Acid-House, der sein Lo-Fi-Gewand abgelegt hat und sich nun genüsslich Disco einverleibt. Alledem wohnt Fujiya und Miyagis Fähigkeit inne, Tracks eine Leichtigkeit zu verpassen, die sie sowohl für Bunker-Raves mit schwitzenden Decken als auch für luftige Lagerhallen-Partys unter Leuchtstoffröhren geeignet machen.

Damit ist bei aller Repetition der Lyrics und der Eindringlichkeit sowie Erregung der Melodien und Rhythmen klar, dass es sich bei „Artificial Sweeteners“ wieder um ein absolutes Dance-Album handelt. Die Beats führen auf die Tanzfläche, die Synthies, teils verträumt, doch immer da, sorgen dafür, dass man sich auf ihr verliert. Spätestens hier, in Aktion, werden alle Missverständnisse aus dem Weg geräumt.

Anspieltipps:

  • Acid To My Alkaline
  • Rayleigh Scattering
  • Little Stabs At Happiness
  • Vagaries Of Fashion

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