Vallenfyre - Splinters - Cover
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Vallenfyre Splinters


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Dreckig, aber ganz und gar nicht angestaubt. Das Nebenprojekt von Paradise Lost-Gitarrist Greg Mackintosh überzeugt auch in Runde 2.

Um den Krebstod seines Vaters besser zu verkraften, kanalisierte Paradise Lost-Gitarrist Greg Mackintosh seine Gedanken in dunkle und abgründige Songs, gründete daraufhin mit Gitarrist Hamish Glencross (My Dying Bride), Bassist Scoot (Doom, Extinction Of Mankind) und Drummer Adrian Erlandsson (At The Gates, Paradise Lost) Vallenfyre und legte mit „A Fragile King“ (10/2011) ein viel beachtetes und geschätztes Old School-Death/Doomalbum ab, das in der Schnittmenge von Bands wie Autopsy, Napalm Death, Repulsion, Morbid Angel, Nihilist, Candlemass, Trouble und Saint Vitus mehr als nur ein paar Anhänger fand. „Nun wollten wir den Sound und die Songs weiterentwickeln, um sie von der direkten Hommage an unsere Jugend auf dem neuen Album zu etwas mit einer eigenen Identität zu machen“, erklärte Greg vor Veröffentlichung des Zweitwerkes „Splinters“.

Wie schon auf dem Vorgänger handelt es sich auch auf der neuesten Scheibe nicht um ein simples Aufgreifen bestimmter Trademarks oder ein weichgespültes Retro-Konglomerat verschiedenster Stile, jedoch um eine packende und emotionale Zeitreise in die Mitte der 80er-Jahre, ohne die damaligen Aufnahmequalitäten zu vergessen. Mit anderen Worten: „Splinters“ ist keine glasklare, High Fidelity-Produktion, die möglichst mit 230 Sachen gegen die nächste Wand fährt, sondern ein stets dreckiges, hinterhältiges und durch und durch räudiges Erlebnis. Bereits die ersten Sekunden können bei unsachgemäßer Behandlung das Trommelfell zum Platzen bringen oder zarte Gemüter in die Flucht schlagen. Metal-Archäologen werden diese vorzügliche Nachbildung des Urschlamms des Death und Doom hingegen mit Freuden in ihre Sammlung aufnehmen.

Greg und seine Mannen leiern aber nicht nur einfach stur den Spirit der Vergangenheit aus ihren Instrumenten, sie sezieren das Gefühl von damals und injizieren frisches Gewebe in den Mix aus zähem Doom-Morast, tiefen Growls und faszinierender Gitarrenarbeit („Bereft“, „Splinters“) oder hacken in zünftigen Todesblei-Attacken, die auch mal etwas schleppender ausfallen können („Dragged to Gehenna“), alles kurz und klein („Scabs“, Thirst for extinction“). Zwischendurch genehmigen sie sich eine ungebremste Abreibung mit Grindcore-Massage („Instinct slaughter“, „Cattle“), huldigen einem dunklen Groove, der sofort in Mark, Bein und Nacken geht („Odious bliss“), blicken in die schwarze Seele einer Hellhammer/Celtic Frost-Komposition („The wolves of sin“) oder legen ein donnerndes Fundament aus, das mit Hardcore-Elementen verziert wird („Savages arise“).

„Es war eine bewusste Entscheidung, in jeglicher Hinsicht extremer zu werden. Wir wollten die Grenzen von Schmutz, Wut und Grimmigkeit überschreiten. Das Doom-Zeug ist einfach verdammt hundeelend, außerdem haben wir uns dazu entschlossen, auch ein paar Parts mit Grindcore in seiner rohsten Form zu integrieren“, fassen Vallenfyre den Songwriting-Prozess zusammen und wenn man sich bei einem vordergründig zähen Doombrocken wie „Aghast“, der sich immer wieder in Sludge-Sphären verliert und letztendlich wie ein tonnenschwerer Panzer sämtliche Häuserblocks planiert, nicht angehalten fühlt, die nächste Menschenmenge als Moshpit zu verwenden, dann sollte man wohl besser irgendein neumodisches Zeug statt „Splinters“ in den Amazon-Warenkorb legen. Alle anderen preisen diese grandiose und nahezu perfekte Nachbildung der Hochzeit des extremen Metals und machen schon einmal Platz im Herrgottswinkel.

Anspieltipps:

  • Cattle
  • Aghast
  • Odious Bliss
  • The Wolves Of Sin

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