Sabaton - Heroes - Cover
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Sabaton Heroes


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem Weltruhm folgt die Annäherung an den Massenmarkt. Allerdings ohne sich selbst zu untreu zu werden.

Von Sabaton kann man halten was man will - in der heutigen Power-Metal-Szene haben die Schweden ein gewaltiges Wörtchen mitzureden und wer sich auch nur in Ansätzen für das Subgenre interessiert, kommt um den Geschichtsstunden-Metal einfach nicht (mehr) herum. Mit „Carolus Rex“ (2012) landeten die Herren immerhin einen Hit, der in ihrer Heimat zu den bestverkauften Metal-Alben aller Zeiten gehört, der aber auch im Rest der Welt den langersehnten Durchbruch brachte. In Polen zum Beispiel spielten Sabaton vor 500.000 Zuschauern und erhielten sogar die Ehrenbürgerschaft. Und wer es schafft, als Vorband von Iron Maiden zur Abwechslung mal nicht ausgebuht zu werden, hat eh Respekt verdient. Eins ist somit klar: Der Siegeszug wird weitergehen und während die ehemaligen Mitglieder der Band mit ihrer beinahe dreisten Eins-zu-eins-Kopie Civil War kaum den Erfolg ihrer einstigen Band erreichen werden, bleibt im Sabaton-Lager auch mit neuem Line-up (fast) alles gleich.

„Heroes“ geht sehr viel mehr als seine Vorgänger auf Nummer sicher und bietet mehr hymnenhaftes, euphorisierendes Material als je zuvor. Ob Sabaton nun wirklich ihre Chance nutzen, an dieser Stelle ihrer Karriere noch weitere Zielgruppen zu erreichen und deshalb stark auf Up-Tempo setzen und weniger auf stampfende Härte, bleibt dabei im Dunkeln. Verständlich wäre das jedoch. Warum auch nicht? „Heroes“ wird zumindest nicht die über Jahre gesammelten Fans verschrecken. Ihrem Konzept bleiben die schwedischen Power Metaler nämlich definitiv treu und sie bedienen sich ihres persönlichen Stil-Baukastens wie eh und je. Da haben wir große, große Melodien, welche direkt hängen bleiben, Joakim Brodéns markantes Reibeisenorgan (inklusive dem bööösen gerollten r) und selbstverständlich die Kriegsthematik in den Texten. „Heroes“ handelt über diverse Männer und Frauen der Menschheitsgeschichte, welche aufgrund heldenhafter und edler Taten zu Zeiten des Krieges eine Erwähnung wert sind. Vorsichtig ausgedrückt: Man warf der Band in der Vergangenheit auch schon vor, kriegsverherrlichend zu sein. Auch in ihrem „Konzept im Konzept“ bezüglich „Heroes“ schalten Sabaton wohl einen Gang zurück, was der Band aber ohne Frage gut tut und der mittlerweile ausgenudelten Idee neue - wenn auch nur wenige - Impulse gibt. So thematisiert das stampfende „Inmate 4859“ Witold Pilecki - dieser ging freiwillig ins KZ Auschwitz und trug einen maßgeblichen Teil zur Aufklärung des Holocaust bei - interessanter als der x-te Frontbericht mit E-Gitarre. Sabaton werden über kurz oder lang kaum drumherum kommen, ihr lyrisches Konzept zu Geschichten wie dieser zu verlagern. Hoffentlich.

Musikalisch dominiert, wie bereits erwähnt, mehr hymnenhaftes Material als in der Vergangenheit. Zu „Night Witches“, „No Bullets Fly“, „Smoking Snakes“ und „Soldier Of Three Armies“ darf man die Fäuste in die Luft strecken und aus vollem Halse mitsingen. Auch hier gibt es nach exakt genau so gestrickten Songs wie dem Titeltrack von „Attero Dominatus“ (2006) oder dem von „Primo Victoria“ (2005) eine leichte Abnutzungserscheinung - Fans sollten sich aber spätestens jetzt nicht mehr daran stören. Und die Band beherrscht in jener Hinsicht auch voll und ganz ihr Handwerk. Aufhorchen lässt das von Gitarren getriebene und NWoBHM-schwangere „Resist And Bite“ und das Schlusslicht „Hearts Of Iron“, das Bachs „Air" (3. Suite für Orchester (D-Dur; BWV 1068), 2. Satz) außerordentlich geschickt einbaut. „The Ballad Of Bull“ ist eine gefühlte Manowar-Ballade vom Schlage „I Believe“ oder „Herz aus Stahl“, teilweise kurz davor, zweites zu zitieren, insgesamt ziemlich schmierig und schwülstig, aber einwandfrei rübergebracht und außerordentlich wirkungsvoll.

Der absolute Platzhirsch ist „To Hell And Back“, welches dem im Metal immer wieder aufkommenden Trend der Westernmusik (man erinnere sich an Tuomas Holopainen, Nightwish, Dezperadoz) eine Plattform bietet - hier mit Maultrommeln, Morricone-Gedächtnispfeiffen und Dschinghis-Khan-Synthiefanfaren. Das ist in dieser Form zwar extrem generisch, aber auch höchst vergnüglich und wird mehr als nur einen Anhänger finden. Und ob diese nun aus dem Umfeld der langjährigen Fans kommen oder für die Metal-Armee der Schweden erst rekrutiert werden müssen, ist dabei fast egal. Auch wenn Sabaton ihr Schlachtschiff ein wenig mehr in die Gewässer des Massenmarktes steuern wollen, bleiben sie sich treu. Für „Heroes“ verdienen sie sich mit Sicherheit keinen Innovationsbonus - das haben sie entgegen der Behauptung von Kiddies mit Bandshirt eh noch nie getan, machen ihre Sache aber gut. Mit allen Stärken und Schwächen, welche man eben von dieser Gruppe kennt. Fest steht aber, dass Power Metaler, welche auf der Höhe der Zeit bleiben wollen, im Jahre 2014 neben Gamma Ray, Sonata Arctica, Edguy und Freedom Call auch Sabaton als einen der wichtigsten Genre-Outputs berücksichtigen müssen.

Anspieltipps:

  • Night Witches
  • Smoking Snakes
  • Inmate 4859
  • To Hell And Back
  • The Ballad Of Bull

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