Afrojack - Forget The World - Cover
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Afrojack Forget The World


  • Label: PM:AM/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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3.5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„It´s a trap!“ – Afrojack begnügt sich auf seinem Debüt mit austauschbaren Beats und langweilt mit schnöder Mittelmäßigkeit.

Als einer der bestbezahlten DJ´s der Welt muss man sich und seiner Fangemeinde eigentlich nichts mehr beweisen. Nick van de Wall alias Afrojack sieht das jedoch anders und proklamiert auf seinem ersten Longplayer „Forget The World“. Was eigentlich als Aufruf gedacht war, um seinen Alltag und sämtliche Probleme hinter sich zu lassen, um stattdessen mit der Platte eine gute Zeit zu haben, entpuppt sich allerdings relativ schnell als Notwendigkeit, ertappt man sich schließlich dabei, nach dem Genuss der 12 Tracks auf die Suche nach zwingenderen Exemplaren der rezenten Electro House-Geschichte zu gehen, anstatt eine weitere Runde mit dem abkupfernden und schal schmeckenden „Forget The World“ zu drehen. Wo die Scheibe dem Pressetext nach „ein Ausbruch ansteckender Beats“ sein und „eine legendäre Produktion“, sowie „außergewöhnliche Pop-Hooks und euphorische Melodien“ bieten soll, erschließt sich dem Hörer jedenfalls zu keiner Zeit. Afrojacks Erstling ist bestenfalls generisch, damit das Radiopublikum, welches sich an Avicii und David Guetta ergötzt, einen neuen Messias in seinem eng abgesteckten Kosmos begrüßen darf.

Dabei hätte Nick nur einen Blick auf seine eigene Diskographie werfen müssen, um zu erkennen, dass eine Aneinanderreihung von dünnen Electro Pop- und House-Nummern niemanden glücklich stellt, sondern das ein gelegentlicher „Mitten in die Fresse“-Beat dem Unternehmen „Forget The World“ wesentlich zuträglicher gewesen wäre. Paradigmatisch hierfür wäre das knarzende und mit tiefen Drops ausgestattete „Dynamite“, welches zusätzlich einen gut aufgelegten Snopp Dogg in der Gastrolle besitzt, der aufbrausende Dancefloorkiller „Three strikes“, in dem einen Rockgitarren und ein bissiger Jack McManus an die Kehle springen, oder das aus grummeligen Synthies bestehende „The spark“, das nach einem Remix eines One Republic-Songs klingt, den Ryan Tedder & Co. noch nicht geschrieben haben. Wäre das restliche Album auf dem Niveau dieser drei Tracks, man könnte darüber hinweg sehen, dass keine der anderen Nummern vom Schlage eines „Rock the house“, „Lionheart oder „Bangduck“ ist, die zumindest auf voller Lautstärke den Bewegungsapparat in heftige Schwingungen versetzt haben.

Stattdessen gibt es halbherzig umgesetzte Anleihen an Zedd („Illuminate“, „Born to run“, „Keep your love alive“), Avicii („Freedom“), David Guetta („Ten feet tall“), Deadmau5 („Too wild“, „We´ll be ok“) oder einen furchtbaren Gastauftritt von Sting (sic!), der seine Vocals im mittelmäßigen „Catch tomorrow“ wohl am Klo herausgepresst hat. Einzig und allein „Mexico“ mit seinem Breitwandorchester und den Daniel Licht/Dexter-Reminiszenzen gerät durch seinen ruhigen Duktus und dem interessanten Aufbau ins Rampenlicht, wirkt durch seine völlig gegensätzliche Herangehensweise jedoch wie ein Fremdkörper. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, das der handzahme Afrojack ohne seine spastischen Synthesizeranfälle und die Trap-Anleihen nicht mehr ist als ein Fähnchen im Wind, das sein Debütalbum lieber an den seelenlosen Massengeschmack anpasst, anstatt, wie Avicii es zumindest auf „True“ versucht hat, einen eigenen Stil für ein größeres Publikum zu entwerfen. Wir widmen uns jetzt jedenfalls dem David-Guetta-Remix von „Ten feet tall“. Der hat im Vergleich zum Original mit einem Red Hot Chili Peppers-Riff zumindest ein paar Eier in der Hose!

Anspieltipps:

  • Mexico
  • Dynamite
  • Three Strikes

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