Oliver Koletzki - I Am OK - Cover
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Oliver Koletzki I Am OK


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 64 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Braunschweiger auf dem Scheideweg zwischen flockigem Pop und relaxten Electro-Beats.

Für die einen mag es das bislang uninteressanteste Albumcover des Jahres sein, für Oliver Koletzki ist es ein Statement zu mehr Selbstvertrauen. Ja, wir alle waren mal pickelig, hatten womöglich eine Zahnspange und müssen seit mehreren Jahren eine Brille tragen, doch verglichen mit dem zentnerschweren Rucksack, den Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst bis zu seinem Sieg beim diesjährigen Eurovision Song Contest tragen musste, sind derartige Probleme eher zweitrangiger Natur. Doch sein wir ehrlich, beim mittlerweile 39-jährigen Produzent, DJ und Labelbetreiber kommt es nicht unbedingt auf eine starke, die gesamte Menschheit verbindende Message an, sondern darauf, ob die Beats und Sounds, die Oliver dieses Jahr zum fünften Mal auf einen Longplayer geschnürt hat, zum Mitwippen, Tanzen oder nur zum Schulterzucken anregen.

Nach seinen zwei „Großstadtmärchen“ (09/2009 und 03/2012) und der auf Albumlänge ausgedehnten Zusammenarbeit namens „Lovestoned“ (09/2010) mit seiner Frau Fran, weiß man jedenfalls, das Koletzki nicht nur schmissigen Electro und zurückgelehnte Tracks produzieren kann, sondern auch eingängige Popsongs in sein Portfolio passen. Auf „I Am Ok“ wird dies zwar nicht weiter forciert, es gibt aber dennoch die eine oder andere Nummer, die als funk- und discoinfiziertes Konglomerat auf die Charts schielt („Up in the air“), „Billie Jean“ und Earth, Wind And Fire kreuzt, um Parallelen zu den ganz Großen der Popgeschichte zu schlagen, 80er-Jahre-Synthesizer mit Science Fiction-Atmosphäre würzt („Too soon“) oder als flirrende und flackernde Hurts-Hommage ihr Bestes gibt („After all“). Das ist im Grunde genommen auch alles ganz nett und schön anzuhören, doch es fehlt einfach der richtige Kick, der Kompositionen wie „Zuckerwatte“ oder „U-Bahn“ zum Dauerbrenner im Abspielgerät machte.

Diesen Pfeffer streut Oliver im von oszillierenden Beats durchzogenen „Gravity“, dem dynamischen „No man no cry“ oder dem Rap-Feature mit MC Rene in „Hommage“ zwar erfolgreich über seine Plattenteller, verpasst es dann aber, in die gemächlicheren Nummern wie z.B. „Bring me home“, „Reality“ und „Streetknowledge“ zwingende Samples einzubauen, die dem Hörer mehr als nur einen Aufguss alter Trademarks nahe bringen. Grandios funktioniert das hingegen im wabernden „Bones“, das sofort zum Mitnicken einlädt, während das progressive „This love“ seine Liebe zu alten Dance-Platten eingesteht und ähnlich dem Deep House-Track „Parachute“ im Club sicherlich für Furore sorgt, im Wohnzimmer jedoch nicht mehr als gehobenes Mittelmaß versprüht. Somit befindet sich Oliver Koletzki nach seinen ausgedehnten Pop-Ausflügen am Scheideweg zwischen reinem Electro House und flockigem Pop. Beides lässt sich auf jeden Fall nicht vereinbaren, wie „I Am Ok“ unter Beweis stellt. Also entscheide Dich, Oliver!

Anspieltipps:

  • Bones
  • Gravity
  • Hommage
  • No Man No Cry

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