Der Nino Aus Wien - Bäume - Cover
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Der Nino Aus Wien Bäume


  • Label: Problembär Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Österreicher erklimmt die Höhen des Indie-Folk: Wiener Schmäh trifft Velvet Underground mit verdammt guten deutschen Texten!

Die andere Seite von Der Nino aus Wien zeigt das Album „Bäume“ auf, quasi die Kehrseite der „Träume“, die Indie-Folk-Platte. Da wird in „Um noch was zu beweisen“ gefiedelt, als läge Wien in Nashville und Nino Ernst Mandl phrasiert zwischen Bob Dylan, Andre Heller, Simon Joyner und Syd Barrett, schläfrig, gelangweilt und somnambul. Im windschiefen Indie-Folk-Song „2004“ trifft The Velvet Underground auf Wolfgang Ambros. Das „Spiegelbild“ schwankt zwischen Shanty, Chanson und Indie-irgendwas. Und „Am heißesten Tag des Sommers“ ist Gedicht, HipHop-Folk und Tamburin-Traum, der Asphalt dampft, vor den Augen flirren die Hitzebilder.

„Instrumental“ ist keineswegs wortlos, sondern reich an ebenso poetischen wie bitterbösen Bildern: „Du solltest dir nur nie zu viel vorstellen, sonst sticht dir die Wirklichkeit eine Weinflasche in den Rücken“ oder: „Wie ein falscher Verdacht fühlt sich die Sonne an, wenn wir jetzt rausgehn und der Wirt der Nacht sucht in den Augen nach Schein“. Dazu gaukeln Akkordeon und Geige vergeblich eine heile Welt vor. Die „Wiener Melange“ baut kein Kaffeehaus, sondern ein Slowcore nahes Trommel- und Stromgitarrengewitter auf, vor dem Mandl seine verdammt guten Textzeilen heraus quengelt: „Keine Ahnung was wir jetzt alle versäumen, wenn wir so herumstreunen in unseren Träumen.“

Der Nino aus Wien hat vor allem mit dem Album „Bäume“ ganz hervorragende deutsche Texte verfasst und muss in einem Atemzug mit Fehlfarben, Element Of Crime, Karamel und Die Autos genannt werden. Dagegen wandelt er hier musikalisch zwischen dem Wienerlied eines Andre Heller, The Velvet Underground-Folk, Shanty, Simon Joyner, Brecht/Weill-Ballade, schwarzem Ludwig Hirsch-Humor und Kaffeehaus-Melancholie. Und am Ende zwingt Der Nino aus Wien uns in die Knie mit dem sehnsüchtig-poetischen „Jena“, das unter die Gänsehaut geht. Zum Weinen schön!

Anspieltipps:

  • Um noch was zu beweisen
  • Am heißesten Tag des Sommers
  • Wiener Melange
  • Jena

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