Scarlett O´Hanna - Romance Floats - Cover
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Scarlett O´Hanna Romance Floats


  • Label: Popup Records/CARGO
  • Laufzeit: 32 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Scarlett O’Hanna: Forsch, experimentierfreudig und anders.

Scarlett O’Hanna kommt ursprünglich aus Frankreich und begann bereits im Alter von sechs Jahren Klavier zu spielen. Musikalisch sozialisiert wurde sie mit The Police, David Bowie, Leonard Cohen, Charles Trenet und Chopin. Ihre erste Band war Cobson, mit der sie ein Album einspielte und auf Tour durch Frankreich ging. Von Scout Nibeltt, Emily Jane White und Laura Veirs inspiriert, nahm sie 2010 in Belgien das Mini-Album „Imposter“ auf, woraufhin Wilco sie als Support engagierten.

Nun also „Roman Floats“, das beim ersten Durchlauf seine Dringlichkeit offenbart, jedoch auch eine weniger zugängliche Art. Ein Umstand, der einerseits die Neugierde weckt, andererseits nicht gerade einladend wirkt. Einige Titel wie „Peter And Cathy Were Junkies“, „Dramamine“ oder „Thieves“ verheißen bereits im Titel nichts Gutes. Wer auf Singer / Songwriter mit handelsüblichen Vers-Refrain-Schemata steht, der dürfte nicht der Freund von Scarlett O’Hanna werden. Wer dagegen eine forsche, manchmal sperrige Herangehensweise bevorzugt, ist hier richtig. Dementsprechend macht O’Hanna vor keinem Genre Halt, lässt kruden Alternative Rock auf Folk treffen oder Industrial auf Art Pop. Künstlerinnen wie Shannon Wright oder Nina Nastasia sind zwar entfernte Verwandte, dennoch sträuben sich die Songs geradezu, mit denen anderer Interpreten verglichen zu werden.

Lässt sich der Zuhörer auf das Album ein, kann er durchaus den verschlungenen Rhythmus- und Melodiestrukturen folgen, kann es aber auch - zumindest phasenweise - als etwas zu gewollt empfinden. Bereits der instrumentale Auftakt „Peter And Cathy Were Junkies“ hat diese verstörenden Elemente und findet in „Dramamine“ die konsequente Fortsetzung sowie das für das ganze Album geltende Statement: „Don’t want to play it old school / But let me take the wheel“. Das alte Rad auf neue Pfade führen, die alte Songwriter-Schule in eine neue, eigene Sprache übersetzen. Eine Formel, die sie mehr oder weniger gewinnbringend durchzieht.

Der Vorzug von „Romance Floats“ ist gleichzeitig sein Problem. Einerseits ist die unerschrockene, beinahe experimentelle Herangehensweise begrüßenswert, andererseits geht dies auf Kosten eines homogenen Albums, denn in sich geschlossen wirkt es nicht. Festhalten lässt sich an O’Hannas Stimme, die Coolness mit Ausdruck paart, und deren Strahlkraft besonders in dem folkigen „Nothing True Dies Away“ hervorsticht. Auf jeden Fall darf der interessierte Hörer gespannt sein, wie und wohin dieses Talent sich entwickeln wird.

Anspieltipps:

  • Dramamine
  • Nothing True Dies Away
  • The Jacket
  • With Hope Comes The Morning

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