Plaid - Reachy Prints - Cover
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Plaid Reachy Prints


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ist als Aufforderung und Fazit zu verstehen: Back to Scintilli.

In einem Zeitraum von mehr als einem Vierteljahrhundert des Musikmachens bleibt viel Gelegenheit, den eigenen Sound zu verfeinern oder auszuweiten. Andy Turner und Ed Handley sind am ehesten unter dem Pseudonym Plaid bekannt. Eines von vielen, das sie für beides genutzt haben: Verfeinern und Ausweiten. Experimenteller Techno und IDM sind ebenso in ihrer Diskographie vertreten wie HipHop, Ambient und Filmmusik.

Kein Wunder also, dass nach dem 2011er Werk „Scintilli“, dem - sieht man mal von zwei Soundtracks ab - fünf Jahre eigenschöpferische Pause vorweg gingen, auch „Reachy Prints“ heiß erwartet wurde. Zumal „Scintilli“, trotz schwächelnder Performance gegenüber Plaids früher Werke, einiges an neuen Ideen präsentierte. Nach knapp drei Jahren Pause dürfte man also ähnliche Fortschritte erwarten, die gleichzeitig die Fehler des Vorgängers vermeiden.

Es wäre nicht komplett falsch zu behaupten, Turner und Handley setzten diese Hoffnung in den Sand. Ihr neuer Longplayer ist wieder eine Schau von glitchigen Beats und verspielten, hochtönenden Synthies, die es schafft, nie zu komplex, noch zu eingängig zu sein. Würden die im Beat aggressiveren Tracks nicht so oft auf übersimple Melodien setzen, „Reachy Prints“ würde sich vermutlich sowohl für die anspruchsvolle Tanzfläche als auch für konzentriertes Zuhören eignen. So wirkt das Geklimper leider oft zu seicht, die kristallklaren Erzeugnisse aus dem Computer zu glatt und kantenlos, trotz sonst so eigenwilliger Clicks und Cuts. Gegenüber dem 2011er Werk wirkt das leider eher wie ein Rückschritt.

Nur „Nafovanny“ wirkt wie eine kleine Befreiung, gibt trotz schleppendem Beat ein bisschen mehr Gas und wirkt dabei wesentlich rauer als sein genauso energiereicher, aber im Beep-Geklimper sich verlierender Follow-Up „Slam“. Die Melodie von „Matin Lunaire“ ist leider auch viel zu einfältig, um neben „Nafovanny“ als weiterer Hoffnungsträger des Albums durchzugehen, trotz vielversprechenden House-Anfangs. Immerhin lässt das Duo in „Ropen“ seine produktionstechnischen Muskeln spielen und liefert im Mantel minimalistischer Beats und verzerrter Synthies wunderbare Sounddesigner-Kost. Mit dem vorletzten Track des Albums kommt das leider viel zu spät.

Es ist kein Schritt in eine schlechte Richtung, doch an der Umsetzung hapert es. Beat-technisch ist mehr dabei, als im Fließtext übersichtlich aufzuzählen möglich ist, und diese Vielfalt tut dem Album gut. Doch in den Höhen haben Plaid Eingängigkeit mit Einfältigkeit verwechselt. Das sorgt für eine seltsame Ambivalenz, die die Tracks zunächst interessant, auf Dauer aber eher fad klingen lässt. Turner und Handley hatten sich das bestimmt anders vorgestellt.

Anspieltipps:

  • Nafovanny
  • Ropen
  • Wallet

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