Morning Parade - Pure Adulterated Joy - Cover
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Morning Parade Pure Adulterated Joy


  • Label: Parlophone/WEA
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Briten treffen erneut die richtige Mischung.

Etwas mehr als zwei Jahre ist es nun her, dass fünf Herren aus Essex mit ihrem Debüt „Morning Parade“ ein viel gefeiertes Album veröffentlichten, das irgendwo zwischen BritPop und Indie-Rock angesiedelt war und genau dort begeisterte. Wie das Musikleben so spielt, sind die Erwartungen an den Nachfolger groß. Der Einstand war gelungen, so gesehen hatte die junge Band nun zwei Möglichkeiten: die eigens gepflasterte Straße weiterzugehen und damit ein bisschen zu langweilen oder die Abzweigung zu nehmen, wo anders weiterzumachen und dadurch vielleicht bereits gewonnene Fans zu enttäuschen.

In Anbetracht dessen mögen die ersten Töne auf der Platte überraschen, sind sie doch schroffer und düsterer, als man erwartet hätte. Immerhin passt dieser Anfang zum Titel: „Shake the Cage“ ruft zunächst die passenden Assoziationen hervor. Bricht da eine Band tatsächlich aus ihren eigens auferlegten Gittern aus? Kurze Zeit später aber stellt sich schon der gewünschte „Aha-Effekt“ ein, wenn Steve Sparrow mit seiner Indie-erprobten Stimme poppigere Töne anschlägt und den Hörer auf altbekanntes Terrain zurückführt. Spätestens bei Titel Nummer zwei und Single Nummer eins, „Alienation“, haben Morning Parade ihre Hörer und sich selbst wieder eingefangen.

35 Minuten lang hat man das Gefühl, dass sich die Briten zerreißen zwischen Rock und Pop, Elektro und Akustik, zwischen ihren eigenen Wurzeln und der eigenen Zukunft. Für diesen Mehrfach-Spagat trägt einer ganz besondere Verantwortung: Produzent Ben Allen, der bereits Animal Collective, Bombay Bicycle Club und Cee-Lo Green zu Größe verholfen hat. Die Unterstützung von prominenter Seite hat die Band also nicht verloren und es stellt sich unweigerlich eine Art trotzige Einstellung beim Fan ein: Wenn Leute, die sich auskennen, nach wie vor von Morning Parade überzeugt sind, dann können sie ja nicht so schlecht sein?

Sind sie auch nicht. Vielleicht ein bisschen weniger Mainstream, als noch zuvor, aber diese Entwicklung ist als positiv zu betrachten. Statt mit radiotauglichen, säuselnden Bekundungen zu Rattenfängern zu werden, bleiben sich Morning Parade treu und entwickeln sich und ihren ganz eigenen Musikmix gleichzeitig weiter. Eine streckenweise holprige Straße, die da befahren wird. Aber eine von denen, die man nicht missen möchte, weil es hier etwas ganz Besonderes zu entdecken gibt.

Anspieltipps:

  • Alienation
  • Seasick
  • Culture Vulture
  • Pure Adulterated Joy

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