Rebekka Bakken - Little Drop Of Poison - Cover
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Rebekka Bakken Little Drop Of Poison


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Rebekka Bakken singt Tom Waits. Das Hessische Rundfunkorchester unterstützt sie dabei. Die Songs des knurrigen Individualisten glänzen dabei in neuem Licht.

Kann das gut gehen? Die norwegische Jazz-Sängerin Rebekka Bakken, die ihr Repertoire und ihren Stil ähnlich wie Norah Jones in Richtung gepflegtes Singer/Songwriter-Liedgut geöffnet hat, vertont Songs des großen, exzentrischen, einflussreichen Grantlers Tom Waits. Waits war nach seiner anfänglichen Singer-Songwriter-Phase durchaus auch dem Jazz zugetan, hat diesen aber mit brüchig-versoffener Stimme so vorgetragen, wie man ihn in schummrigen Kaschemmen, verrauchten Kneipen und schmuddeligen Absteigen vermutet.

Rebekka Bakken hingegen gehört eher der klar strukturierten, akademisch geschulten Jazz-Fraktion an. Kann unter diesen Vorzeichen eine überzeugende Transformation stattfinden? Kann Frau Bakken den vorgeprägten Songs noch eine besondere, unerwartete Note hinzufügen? Vor ihr haben sich schon der Bluesmann John Hammond, der Rhythm & Blueser Southside Johnny, die kanadische Jazz-Sängerin Holly Cole sowie die Schauspielerin Scarlett Johansson an diesem Konzept mit unterschiedlich befriedigendem Ergebnis versucht.

Die Lieder wurden mit Gespür und Sachkenntnis vom Arrangeur Jörg Achim Keller ausgewählt und unter Mithilfe der Big Band des Hessischen Rundfunks eingespielt und produziert. Sie umspannen einen Zeitraum der Jahre 1974 („The Heart Of Saturday Night) bis 2011 („Bad As Me“). Darunter sind auch weniger bekannte Songs wie das titelgebende „Little Drop Of Poison“ aus dem Soundtrack von „The End Of Violence“, einem Wim Wenders-Streifen von 1997.

Mit diesen Versionen nähert sich Rebekka wieder ihren Jazz-Wurzeln. Stilistisch pendeln die Aufnahmen zwischen Cabaret, Broadway und Jazz-Keller. Man hört Kunstlieder im Brecht/Weill-Stil, ausladende Big-Band-Arrangements und swingende, an Jazz-Standards angelehnte Titel. Nur selten gibt es Referenzen an die zuletzt anklingenden Americana-Spielarten („San Diego Serenade“, „If I Have To Go“).

Vorherrschend sind Stücke im Balladen-Tempo. Gesangstechnisch präferiert Rebekka eine nordisch-kühle, konzentrierte Klangfarbe. Für „Little Drop Of Poison“, „Bad As Me“, „Christmas Card From A Hooker In Minneapolis” und „Just The Right Bullets“ modifiziert sie ihre Stimme so, als würde sie in die Rolle einer anderen Person schlüpfen. Hier gibt sie sich abwechselnd als schnoddrige, exzentrisch-freche oder verruchte Göre aus. Beim abschließenden lautmalerisch-theatralischen „What`s He Building?“ begnügt sie sich mit einem beschwörenden Spoken-Word-Beitrag.

In den meisten Fällen würde man bei den Interpretationen nicht unbedingt auf Tom Waits als Urheber kommen. Rebekka Bakken schafft es tatsächlich, den Liedern eine individuelle Note zu geben und dabei ihre melodischen Qualitäten herauszuarbeiten. Es ist zu spüren, dass dieses Projekt eine Herzensangelegenheit gewesen sein muss. Die Songs werden hochkonzentriert, manchmal regelrecht ehrfürchtig dargeboten, ohne den Blick auf eine angemessene, künstlerisch wertvolle Umsetzung zu verlieren.

Anspieltipps:

  • Little Drop Of Poison
  • Downtown
  • Hang On St. Christopher
  • San Diego Serenade

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