The Pierces - Creation - Cover
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The Pierces Creation


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Altbewährtes wird kalifornisch weiter geträumt und das Erwachen ist harmonischer als je zuvor.

Wer Catherine und Allison Pierce nicht erst seit „You&I“ kennt, wird wissen, dass die Schwestern schon immer mit größter Lust ihren eigenwilligen Humor in die Musik, besonders aber in die Selbstdarstellung haben fließen lassen. Geschichten von abenteuerlichen Weltreisen waren da genau so vorhanden wie Magie oder eine ins Absurde gezogene Darstellung ihrer eigenen antiautoritären Erziehung. Die Musikerinnen, Tänzerinnen und Designerinnen aus Los Angeles sind nun mal immer für eine Überraschung gut und versuchen passend zu ihrer Musik ihrer Identität als Künstlerinnen so lange wie möglich einen mystischen Touch zu bewahren. Für die Arbeit an „Creation“ haben Catherine und Allison einen Schamanen aufgesucht und den halluzinogenen Tee Ayahuasca konsumiert - angeblich, um ihre spirituelle Seite entdecken zu können. Nun, es muss nicht immer gleich ein Fahrradtag werden. Nicht nur deshalb sind solche Aussagen weitaus weniger provokant oder beeindruckend, als es sich die Pierces vielleicht gedacht haben.

Hinsichtlich des Werkes „You&I“ (2011) ergibt das aber durchaus Sinn, denn nachdem die Schwestern ihr Image so langsam aber sicher in eine bestimmte Ecke verlagert haben (Retro, Hippie, Siebziger - das Übliche halt), kommt ihnen der Drogenkonsum durchaus zupass. Er ist Teil einer Ästhetik und „Creation“ will jene natürlich fortführen. Wieso auch nicht? Immerhin hatten Werke wie „Light Of The Moon“ (2004) und besonders der Durchbruch „You&I“ fraglos hervorragende Momente. Einfache aber dennoch verspielte und ungemein wirkungsvolle Popsongs, die man sich immer wieder anhören kann und will - die zwei Pierces wissen das und handeln dementsprechend, machen den Stil endgültig zu ihrem eigenen und wollen wahrscheinlich gar nicht mehr die Pierces vom definitiv starken und inspirierten „Thirteen Tales Of Love And Revenge“ (2007) sein.

Deshalb ist „Creation“ eine logische Konsequenz, in dem was es ist berechenbar sowie zu erwarten gewesen und hat alle Stärken aber auch Schwächen des Vorgängers. Den Ayahuasca hört man zwar gar nicht raus, was die Nachricht direkt zu einem Marketinggag degradiert, dafür aber scheinen die beiden Pierces ihr Konzept gestrafft (und definitiv nicht entschlackt) zu haben. Ihr Songwriting ist im Vergleich zu „You&I“ ein wenig straighter geworden, von einem Vergleich mit „Thirteen Tales Of Love And Revenge“ gar nicht erst zu sprechen, dafür aber überwiegt ein Schliff, für den „Creation“ eben das Vorgängeralbum gebraucht hat, um sich umso souveräner und selbstsicherer im eigenen Stil bewegen zu können. Locker flockige Songs wie der Opener und gleichzeitige Titeltrack, die vorab vorgestellte Single „Kings“, „Come Alive“, „Monsters“ oder das großartige „Honest Man“ spielen wieder einmal mit Kontrasten, sind gleichermaßen schwermütig, beschwingt, melancholisch und niedlich; die Abgründigkeiten und der schwarze Humor von „Thirteen Tales Of Love And Revenge“ blitzen nur noch selten hervor. Der Hang zu verträumt-schönen Melodien und der überaus gute Gesang beider Schwestern bleiben.

Abhilfe schafft die zweite Hälfte des Albums, welches sich anhand von Songs wie „The Devil Is A Lonely Night“, „The One I Want“ oder besonders „Flesh And Bone“ sogar wieder in die Richtung des 2007er-Albums begibt und mehr als damals mit dem aktuellen Klang des folkigen Pops der Pierces verbindet. Das gibt „Creation“ neben energiegeladenen Pop-Nummern und wirklich sehr guten Balladen weitere Nuancen, welche das Duo davor retten, sich zu wiederholen. Doch auch, wenn die Mädels weitaus mehr als einfachen Folk-Pop zu bieten haben und dies auch zeigen, ist „Creation“ einmal mehr das Album geworden, welches von The Pierces zu erwarten war. Da gibt es viele gute, ja stellenweise sogar phänomenale Momente, streng genommen keine Hänger und vieles ist solide genug, dass es seine Hörer finden und zufrieden stellen wird. Fakt ist aber, dass Catherine und Allison ein für alle Mal am Ziel sind, was ihren eigenen Sound betrifft. Wer das selbstbetitelte Debüt als dem Jahre 2000, „Light Of The Moon“ und natürlich „You&I“ mochte, wird auch mit „Creation“ keinesfalls enttäuscht werden. Wer „Thirteen Tales Of Love And Revenge“ dagegen zu sperrig und krude fand, findet hier einen erneut gebotenen Zugang, der dazu einlädt, sich die Diskographie der Schwestern rückwärts zu erarbeiten.

Anspieltipps:

  • Creation
  • Kings
  • Honest Man
  • The Devil Is A Lonely Night
  • Flesh And Bone

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