Revere - My Mirror / Your Target - Cover
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Revere My Mirror / Your Target


  • Label: V2/H'ART
  • Laufzeit: 48 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Promo-Waschzettel lügen nicht.

Für den Einstieg einer CD-Besprechung mag es unkreativ sein, den offiziellen Promo-Wortlaut zu rezitieren. Manchmal jedoch, wenn die Presseabteilung mal wieder am ganz großen Rad dreht, sollte auch der Leser ein Bild davon bekommen, wie Künstler schon vor Album-Release vom eigenen Label zu Werbezwecken in den Himmel gehoben werden. Also ab dafür: „Hitverdächtige und melancholische Songs zwischen Maximo Park, den Editors & Aracade Fire“, thront es direkt unter der Überschrift. Weiter? Bitteschön: „Der neue Sound ist entfesselt, mutig und direkt, vereint die geschliffenen New Wave-Gitarren von Magazine mit der industriellen Kälte von Joy Division und Battles, die Melancholie der frühen Editors mit der hymnischen Euphorie der Kaiser Chiefs (...)“.

Wenn dann noch betont wird, dass die Band „My Mirror / Your Target“ in den Metropolis Studios in London aufnahm, wo auch schon Größen wie Tom Odell, Adele oder Elbow werkelten, schießen die Erwartungen endgültig gen Genrehimmel. Die eigentliche Frechheit: Die ganze Lobhudelei ist fast uneingeschränkt gerechtfertigt. Revere präsentieren ein Album mit kreativen und abwechslungsreichen Songstrukturen, die auch beim wiederholten Hören nicht langweilig werden und immer wieder neue Facetten preisgeben.

Die Platte beginnt mit drei astreinen Indie-Tracks, die mitreißen und durch tolles Songwriting begeistern. „I Won’t Blame You“ startet mit der traurigen Melancholie der immer selben Zeile: „I Won’t Blame You/ You Can’t Save Me Now/ I’m Sorry Child“, untermalt von einem leisen Klavier. Nach und nach kommen Schlagzeug und Gitarre hinzu, aus dem ruhigen Akustiksong wird Indie-Pop in Reinkultur. Stark. Ab Track vier gönnt sich das Septett eine Pause und schiebt drei ruhige Songs nach, die ihren Zweck perfekt erfüllen, den eröffnenden Dreier konterkarieren und eine Melancholie erzeugen, die dem sentimentalen Hörer vor allem im Herbst gute Dienste erweisen wird.

„A Road From A Flood“ zählt zu den absoluten Highlights des Albums. Dass die Platte nie langweilig wird, ist eben genau diesen gezielten Gegensätzen zu verdanken, auch innerhalb der einzelnen Songs. „These Halcyon Days“ kommt stellenweise als klassischer Gitarrenrocker daher, ist durch den Gute-Laune-Singsang aber irgendwie doch eine tolle Indie-Hymne geworden. Zugegeben, die Vergleiche des Pressetextes sind weitestgehend für die Tonne. Von Joy Division sind Revere so weit entfernt wie der Iran vom WM-Finale, für die frühen Maximo Park ist „My Mirror / Your Target“ einfach nicht hip genug und Aracade Fire ähneln die Briten lediglich in der Anzahl ihrer Mitglieder. Dennoch ist es beeindruckend, wie ausgefeilt sich Revere auf ihrem Zweitling präsentieren.

Die Band vereint Gitarren, Klavier, Violine, Bass, Cello und Drums zu einem durchdachten und spannenden Gesamtwerk und wird zumindest Genrefreunden auch in Zukunft noch begeisternde musikalische Momente liefern. Also irgendwie doch wie Aracade Fire. Ein bisschen.

Anspieltipps:

  • I Won’t Blame You
  • We Won’t Be Here Tomorrow
  • A Road From A Flood
  • These Halcyon Days
  • Solomon Says
  • What Am I If I’m Not Even Dust?

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