Uncle Frank - Smiles For Miles - Cover
Große Ansicht

Uncle Frank Smiles For Miles


  • Label: Mita Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieser Mann bringt zusammen, was nicht zusammen gehört, und hat hörbar Spaß dabei.

Uncle Frank heißt bürgerlich Frank Benbini und ist als Drummer der Fun Lovin` Criminals bekannt geworden. Auf seiner ersten Solo-Einspielung unter dem Pseudonym Uncle Frank zeigt er sich jetzt als quirliges Unikum, Pop-Chamäleon und Musiker ohne Scheuklappen. Hier gibt es keinen Raum für akademisches Sezieren. Es kommt zusammen, was zusammen gehören soll. Sinnvoll oder nicht, diese Frage stellt sich nicht. Frank Benbini beschreibt seinen Stil als Mischung aus dem Soundtrack zu Disneys „Dschungelbuch“, dem üppigen Soul von Barry White, dem Humor von Benny Hill und dem Songwriting-Genie von Burt Bacharach.

Los geht`s mit einem HipHop-Pop-Medley mit Erinnerungen an die Disco-Welle der 70er-Jahre in karibischer Ausrichtung. Geht nicht, gibt’s nicht. Und es funktioniert tatsächlich. Die Stile sind so munter miteinander verbunden, dass der Hörer einfach mitgerissen wird. Und während er sich fragt, was das nun war, merkt er gar nicht, wie schnell die vier Minuten vergangen sind. „Big Brother“ fängt wie ein Jazz-Torch-Song der 40er-Jahre an. Dieser wird durch einen HipHop-Break-Beat und den dazu gehörenden Sprechgesang ausgebremst. Nicht besonders schön, aber selten. Rhythm & Blues wird mit breitwandiger Filmmusik im Song „Gravy Baby“ in Einklang gebracht. Daran schließt sich mit „Anytime“ ein unspektakulärer Sing-Along-Pop an. Als nächstes bietet die Wundertüte mit „Desperate Town“ eine Ballade, um danach der Easy Listening-Musik zu huldigen („Somethin` Somethin`“). Natürlich nicht reinrassig, sondern mit ein wenig Exotik garniert. Das hat die Pfiffigkeit und den Charme von Harry Nilsson-Aufnahmen.

„Chocolates“, eine Good-Time-Nummer mit betont sonniger Note, bedient sich gesanglich bei Frank Zappa. Stand dieser Querdenker etwa auch als Namensgeber Pate? Schließlich hatte er mal die Frage aufgeworfen, ob Humor und Musik eigentlich zusammenpassen würden. Bei Uncle Frank sind sie definitiv untrennbar miteinander verbunden. Davon kann man sich auch bei der Love-Song-Persiflage „Bonzo“ ein Bild machen. „Step Into My Room“ lädt dann auf den Tanzboden der 70er-Jahre ein. Disco- und Funk sind angesagt. Ganz bedächtig wird es mit „Centro Vasco“, einer intimen, fast schon schmalzigen Piano-Ballade. Zum Schluss packt der Onkel noch mal alles zusammen, was ihm grade so eingefallen ist. HipHop-Elemente und schmierige, käsige Synthesizer im Streicher-Modus zerstören die angedeutete Südsee-Illusion. Das Stück arbeitet sich langsam in Richtung Broadway vor, ohne dort anzukommen. Ganz plötzlich ist Schluss und der Hörer bleibt beinahe verstört zurück.

Uncle Frank traut sich was. Er mixt ohne Scheuklappen Stile und Stimmungen, die man nicht unbedingt miteinander in Verbindung gebracht hätte. Das ist recht unterhaltsam, aber noch nicht ausgereift. Wenn sich der gute Onkel mehr Mühe mit dem Komponieren gibt, um so die Hooklines noch besser herauszustellen, dann kann das beim nächsten Versuch durchaus ein Volltreffer werden. Die Ideen sind jedenfalls schon mal sehr originell.

Anspieltipps:

  • Shake N Bake
  • Somethin` Somethin`
  • Step Into My Room

Neue Kritiken im Genre „Pop“
Diskutiere über „Uncle Frank“
comments powered by Disqus