Martin Bisi - Ex-Nihilo - Cover
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Martin Bisi Ex-Nihilo


  • Label: Labelship/Broken Silence
  • Laufzeit: 47 Minuten

Dieser Artikel ist ausschließlich Digital erhältlich.

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Eine Entführung ins Nichts, das immer lauter wird.

Klanganarchie, Post-Punk, Avantgarde: Wer sich unter diesen Stichworten etwas vorstellen kann, am besten in Kombination miteinander, dürfte hier richtig sein. Denn Martin Bisi, Schöpfer dieser außergewöhnlichen Platte, hat äußersten Wert auf Anti-Mainstream gelegt, so viel steht schon nach den ersten Sekunden fest. Dabei kann man, auch wenn es sich zumindest anfangs stark danach anhört, einfach nicht glauben, dass er nicht genau weiß, was er da tut. Schließlich ist der New Yorker kein Unbekannter in der Indie-Szene. Seit den 80er-Jahren arbeitet er mit und für Musiker und Bands wie Brian Eno, Sonic Youth, Swans, Dresden Dolls, John Zorn, White Zombie, Helmet und Serena-Maneesh. Dabei sind die Richtungen sowohl breit gefächert, als auch bezeichnend: Art-Rock, Indie-Rock, Rock, Ambient. Vor allem das Wörtchen „Art“ gibt Aufschluss über Bisis eigenes Verständnis und seinen Zugang zur Musik: Er sieht sich selbst als Künstler, als Schöpfer.

Dafür spricht auch der Albumtitel „Ex-Nihilo“, was soviel bedeutet wie „aus dem nichts“, was das Wesen dieses Werkes ganz treffend umschreibt. Man wird entführt in eine andere Welt, die sich gerade noch im Entstehungsprozess befindet. Im ersten Song klingt es tatsächlich, als würde gerade etwas entstehen, aus dem Nichts erschaffen werden und als müsste dieses Etwas sich erst noch ordnen, seinen Platz finden. Dieses Gefühl begleitet den Hörer durch alle sieben Lieder, wenn es auch zeitweise abnimmt. In „Sin-Love-Hate“ oder „The Mermaid Queen“ scheint alles seinen natürlichen Weg zu gehen, wenn auch einen düsteren, fast bedrückenden Weg. Statt dominierendem Chaos sind andere Elemente im Vordergrund, die den Hörer mindestens genauso einnehmen: Opernhafte Frauengesänge zum Beispiel, die auch in anderen Liedern immer wieder zu finden sind.

Ansonsten spielt Bisi alle hörbaren Instrumente selbst, mal abgesehen vom Schlagzeug. Das verdient durchaus einen gewissen Respekt, auch wenn es insgesamt lange dauern kann, bis man mit „Ex-Nihilo“ warm wird. Martin Bisis Plattenfirma zieht Parallelen zur chaosreichen und aufwühlenden Zeit der Finanzkrise, die im Big Apple wütete. Auch wenn man diese Verbindung nicht sofort für sich herstellen kann, dramatisch ist das Album allemal. Es darf als Experiment, das das Einfangen und Ausspucken von Gefühlen austestet, verstanden werden und sollte auch als solches gehört werden. Es braucht zweifelsohne aufgeschlossene, kreative Köpfe, um sich Martin Bisis Solowerk zu nähern. Doch unter der Oberfläche erwartet den Hörer unbekanntes, interessantes Terrain, das auch (und vor allem) an stürmischen Tagen durchaus mal betreten werden darf.

Anspieltipps:

  • Sin-Love-Hate
  • The Mermaid Queen
  • Suffer The Moon
  • Fine Line

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