Manic Street Preachers - Futurology - Cover
Große Ansicht

Manic Street Preachers Futurology


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt ihn tatsächlich: Den zweiten Teil von „Rewind The Film”!

Vor rund neun Monaten veröffentlichten die Manic Street Preachers mit „Rewind The Film” (09/2013) ihr elftes Studioalbum, das damals als zweiteiliges, konzeptionell allerdings nicht miteinander verbundenes Werk angekündigt wurde. Angeblich wurden die zuhauf geschriebenen Songs nur in zwei Lager aufgeteilt: Melodisch und ruhig sowie rockig und laut. Geplanter Veröffentlichungstermin der Fortsetzung: Irgendwann im Jahr 2014. Und siehe da: Die drei Waliser haben Wort gehalten! Mit „Futurology“ steht nun der laute Ableger von „Rewind The Film” bereit, der sich aus Sessions in den Berliner Hansa Studios sowie dem bandeigenen Faster-Studio in Cardiff speist.

Eröffnet wird das Album mit den hymnischen, an U2 und David Bowie gemahnenden Songs „Futurology“ und „Walk me to the bridge“, denen der Geist der Berliner Hansa Studios in jeder Note anzumerken ist. Siehe dazu auch die in Berlin aufgenommen Alben von Depeche Mode, David Bowie, Iggy Pop, U2, Nick Cave, R.E.M., Snow Patrol und Supergrass. Die Gitarren klingen euphorisch, Disco-Beats stampfen in 80er-Jahre-Manier aus den Boxen und die Keyboards legen einen knalligen Effektmantel darüber. In diese Sound-Mixtur scheinen sich die Manic Street Preachers regelrecht verliebt zu haben. Denn im Verlauf des Longplayers wiederholen sich die grellen Disco-, Punk- und Elektro-Elemente immer wieder, am radikalsten vielleicht in dem in Kooperation mit der deutschen Schauspielerin Nina Hoss eingespielten „Europa geht durch mich“.

Dabei klingen die Manic Street Preachers zwar immer noch eindeutig nach den Manic Street Preachers, aber der Hörer erkennt auch, dass das Trio den Mut aufbringt, sich in Sachen Sound auf Neuland zu wagen. So etwas ist grundsätzlich gewöhnungsbedürftig und kann auch böse in die Hose gehen. Nicht so bei den Manic Street Preachers, auch wenn auf „Futurology“ nicht jeder Schuss ein Treffer und ein zweites „Achtung Baby“ (U2) weit entfernt ist. Ihrer Ansage, ein kraftvolles und lautes Album abzuliefern, sind James Dean Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore trotzdem nachgekommen.

Inhaltlich zieht sich das Thema „Europa“, inspiriert von den vielen Tourneen und den damit verbundenen Reisen, quer durch das gesamte Album. Lange Fahrten auf der Autobahn wurden dazu genutzt, sich durch stilbildende Werke von Kraftwerk und Neu! zu hören, die dadurch Inspirationsquell für einzelne Passagen in Stücken wie „Misguided missile“, „Mayakovsky“ oder auch „The view from stow hill“ wurden. So kommt zu den Faktoren Disco, Punk, Elektro und Pop auch noch Krautrock hinzu, während der frühere Orchester-Bombast vollständig verbannt wurde.

Daraus entwickelte sich ein Sturm-und-Drang-Werk, das streckenweise ganz bewusst an den Nerven des Hörers zerrt („Sex, power, love and money“), nur wenige Ruhemomente präsentiert („Divine youth“) und kompositorisch vielleicht nicht ganz an „Rewind The Film” heranreicht, aber durch seinen musikalischen Mut trotzdem als ein gutes Album gewertet werden kann.

Anspieltipps:

  • Futurology
  • Divine youth
  • Europa geht durch mich
  • The view from stow hill
  • The next jet to leave Moscow
Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Alles Fliesst
  • 2020    
Diskutiere über „Manic Street Preachers“
comments powered by Disqus