Strand Of Oaks - Heal - Cover
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Strand Of Oaks Heal


  • Label: Dead Oceans/CARGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik, die tiefe Wunden heilen will.

Es ist kein Geheimnis, dass Nahtod-Erfahrungen Menschen prägen. Als Sänger Tim Showalter im Dezember letzten Jahres bei einem Autounfall gemeinsam mit seiner Frau nur knapp mit dem Leben (und einer schweren Kopfverletzung) davonkam, war er bereits mitten im Schaffungsprozess seines neuen Albums. Noch vor dem Unfall stand also fest, welche Songs auf „Heal“ zu hören sein würden, doch der Name bekam eine ganz neue Bedeutung.

Ursprünglich wollte Showalter vor allem die Heilungskraft der Musik aktivieren, die ihm schon so oft durch schwere Zeiten geholfen hatte. Gemeinsam mit John Congleton, der verantwortlich war für die Studioaufnahmen, wollten Strand Of Oaks ihre Hörer dann jedoch an einen ganz bestimmten Punkt bringen: Die Atmosphäre zwischen Nahtod und kompletter Angstlosigkeit sollte eingefangen werden. Musikalisch drückt sich dies durch unterschwellige Elektronik, ein starkes, wirksames Schlagzeug und jede Menge rockige Leadgitarre, teils bedient von J. Mascis (Dinosaur Jr.), aus.

Während der erste Song, „Goshen ‘97“, als Hommage an Jugend und Wohnort noch melodisch daherkommt, dominiert in „Mirage year“ beispielsweise ein krachendes und doch faszinierendes Gitarrensolo. Faszinierend vor allem deshalb, weil regelrecht zu spüren ist, wie Showalter versucht, diesen katharischen Sound, wie er ihn selbst nennt, herzustellen. Das bedeutet, tief zu graben, um an die Wurzeln allen Übels zu gelangen. Dort angekommen, kann man ruhig und gefühlvoll betrachten, was man vorfindet („Plymouth“, „Wait for love“) oder den Frust rauszuschreien, um sich irgendwann besser zu fühlen. Entstanden waren die Songs auf „Heal“ in der Zeit nach einer Tour und vor dem Unfall. In nur drei Wochen schrieb der Amerikaner 30 Lieder, geprägt von Selbstzweifeln und Unzufriedenheit.

Nur die Musik konnte ihm in dieser Phase noch helfen, weshalb er sich von dem Unfall auch nicht aus dem Konzept bringen lassen wollte. Seinem Mitstreiter Congleton verheimlichte er daher den Schweregrad der Verletzungen und sorgte dafür, dass das Album trotz alledem schnellstmöglich auf den richtigen Weg kam. Erst später realisierte er auch die psychischen Folgen des Unfalls. Dafür haben Strand Of Oaks und ihre Hörer nun ein Album, das für einen Neuanfang mit Pop und Rock irgendwo zwischen 70er-, 80er- und 90er-Jahren steht und die Fähigkeit hat, zu heilen oder zumindest die Schmerzen zu lindern.

Anspieltipps:

  • Goshen ‘97
  • Heal
  • Same emotions
  • Shut in

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