John Fullbright - Songs - Cover
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John Fullbright Songs


  • Label: Blue Dirt Records
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Sein erstes Album wurde für einen Grammy in der Sparte „Best Americana Album“ nominiert. Mit „Songs“ hat John Fullbright seine Chancen auf die Preisverleihung erneut gewahrt.

Sehr klar, präzise und ökonomisch, so klassifiziert John Fullbright sein zweites Studioalbum. Sein Selbstvertrauen habe sich gesteigert, verrät er. Deshalb formuliere er seine Texte jetzt auch in der Ich-Form und nicht mehr aus der Sicht von anderen. Er hat sein zweites Album schlicht und nüchtern „Songs“ betitelt. Daran lässt sich schon ablesen, dass eine Beschränkung auf das Wesentliche zu erwarten ist. Spontanität war dem Sänger, Pianisten und Gitarristen aus Oklahoma bei der Produktion wichtig. In der Regel wurden die ersten Einspielungen der Songs verwendet. Nur manchmal sind noch Gitarren- oder Piano-Spuren hinzugefügt worden.

Fullbright ist ein nachdenklicher Musiker, der aber eine positive Ausrichtung hat. Gleich im ersten Song „Happy“ macht er klar, dass er nicht zu den Zweiflern und zu den vom Weltschmerz geknechteten Lieder-Schmieden gehört. Was ist eigentlich so schlecht daran, wenn man glücklich ist, ruft er den Bedenkenträgern zu und pfeift ihnen im wahrsten Sinne des Wortes was. Musikalisch assoziiert man hinsichtlich der locker trabenden Folk-Rock-Basis Neil Youngs „Out On The Weekend“ von „Harvest“. Das sei aber nur zur Orientierung erwähnt, denn trotz einiger Déjà-vu-Erlebnisse des Rezensenten bleibt kein fader Beigeschmack übrig, der auf Ideenklau hindeutet. Aber so hat der geneigte Leser eher die Möglichkeit, sich an den beschriebenen Eindrücken zu orientieren.

Man stelle sich Rufus Wainwright ohne Pomp und Pathos vor. Dann hat man den Sound von „When You`re Here“ vor Ohren. Johns Botschaften sind prägnant und klar: In „Until You Were Gone“ geht es um verpasste Chancen und er verkündet „Keeping Hope Alive“ stolz solo zur Gitarre. „Write A Song“ ist ein Lied darüber, wie es ist, ein Lied zu schreiben. Auch hier genügt die fesselnde Stimme und eine dezente, elektrisch verstärkte Gitarre, die mehr weglässt als ausschmückt, um eindringlich zu unterhalten. Jede Note ist überlegt platziert, es gibt viel Raum zwischen den Tönen. Bei „She Knows“ und „Very First Time“, diesmal solo zum Piano vorgetragen, lugt Randy Newman als Hinweis um die Ecke, aber auch Rufus ist wieder nicht weit weg. Folkig, durchsichtig, erzählerisch stark und packend ist die Ballade „High Road“, die stilistisch an den New Yorker Folk-Musiker John Gorka erinnert.

Woher nimmt der erst 26-jährige Künstler nur seine Reife und Abgeklärtheit? „Never Cry Again“ und „The One That Lives Too Far“ sind kompositorisch pures Gold. John zeigt hier besonders eindrucksvoll seine überlegte Art der Kommunikation. Er lässt sich nicht hetzen, erzählt wie jemand, der genau durchdacht oder exakt erlebt hat, was er ausdrücken will. Er füllt die Zwischenräume mit delikaten Beigaben und spendiert zeitlos schöne Melodien für die Übermittlung seiner Gedanken.

Die Stimmungsbögen sind fein abgestimmt und mit Gänsehaut erzeugender Wirkung aufgebaut. Sein Gesang ist salopp, leicht schmirgelnd, aber trotzdem warm und hat eine manipulative Kraft. Die Songs werden von einer bittersüßen Stimmung umweht. Sie bannen an die Lautsprecher und die Persönlichkeit des Interpreten sorgt für ein vertrautes Verhältnis zwischen Hörer und Vortragendem. Die Instrumentierung ist ausgesucht luftig, aber nie eintönig. Es gibt tatsächlich nur wenig zu meckern: Ist das Pfeifen bei „Happy“ noch recht originell, so wirkt es bei „Going Home“ eher störend. Der Komposition fehlt es generell an Durchschlagskraft und außerdem wird das Lied von merkwürdigen, nicht näher zu lokalisierenden schabenden Geräuschen begleitet, die sich im Hintergrund abspielen.

John Fullbrights erste Veröffentlichung „From The Ground Up“ aus dem Jahr 2013 wurde in der Kategorie „Best Americana Album“ für einen Grammy nominiert. Es wäre nicht verwunderlich, wenn er jetzt im zweiten Anlauf die begehrte Trophäe bekäme.

Anspieltipps:

  • Happy
  • Never Cry Again
  • The One That Lives Too Far
  • When You`re Here
  • High Road

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