St. Paul & The Broken Bones - Half The City - Cover
Große Ansicht

St. Paul & The Broken Bones Half The City


  • Label: Single Lock Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Schlicht, einfach und ergreifend gesagt: Das ist Soul.

Lange gab es nichts Größeres mehr als Alabama, wenn es um Musik geht. Lionel Richie scheint noch der heißeste größere Export der jüngeren Geschichte zu sein. In kommerzieller Hinsicht wird sich das wahrscheinlich auch weiterhin nicht ändern, doch der One-Song-State, wer summt nicht unbewusst hin und wieder „Sweet Home Alabama“, bekommt mit St. Paul & The Broken Bones einen Vertreter, der zwar für alte Tugenden steht, den Ausdruck Tugenden jedoch auf ganzer Linie verdient.

St. Paul und seine Band machen Soul. So einfach kann es sein, eine Band zu beschreiben. Oder eben auch nicht. Unter Soul stellen sich die Leute heute eine ganze Menge vor. Bei St. Paul und seinen Broken Bones muss man daher ein wenig mehr an Gospel denken. Nur eben mit Bläsern. Und anstatt nur über den Herr Allmächtigen zu singen, geht es auch um die irdischen Kleinigkeiten. Ein weiterer Genre-Begriff wäre Rhythm & Blues und auch hier denke man an die Wurzeln und nicht an die Pop-Abkömmlinge der letzten Jahre.

Mit richtig starkem, emotionalem Gesang, der dem Gospel gerecht stets bis zum Äußersten geht, und verschiedensten Gangarten, arbeitet sich die Band durch die Würze des Soul und kann in jeder Geschwindigkeit begeistern. Der Auftakt „I'm Torn Up“ ist emotional und mitreißend, wogegen „Call Me“ unweigerlich für Bewegung sorgt. Den Löwenanteil haben jedoch Songs im Stile des Openers inne, wobei auch gerne der Blues wie in „That Glow“ den Vorrang bekommt und hymnisch plötzlich verführerisch klingt.

Wenn dann auch noch Ausreißer mit Piano-Balladen-Flair genauso herrlich funktionieren („Grass Is Greener“), dann bleiben für klassische Soul- und Blues-Fans nur wenig Wünsche offen. Der Hauptmakel ist, dass das Album nach knapp 40 Minuten bereits vorüber ist. Und bekanntermaßen ist ein solcher Vorwurf der schönste, den sich eine Band gefallen lassen muss. Gegenwind für ein solches Album kommt höchstens auf, wenn man über die streng eingehaltenen Genre-Konventionen spricht. Die Musik von St. Paul & The Broken Bones ist ziemlich Old School, doch dafür wird das zur Brust genommene Genre auch mit einer solchen Hingabe und Qualität bespielt, dass „Half The City“ nichts mit generischen Genrevertretern gemein hat. Wenn Musiker ihrer Audio-Liebe einen romantischen Brief verfassen wollen, dann doch bitte in genau einer solchen Form.

Anspieltipps:

  • I'm Torn Up
  • That Glow
  • Call Me

Neue Kritiken im Genre „Soul“
Diskutiere über „St. Paul & The Broken Bones“
comments powered by Disqus