Helge Schneider - Live At The Grugahalle - Cover
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Helge Schneider Live At The Grugahalle


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 134 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Beethoven hatte ganz schlimm Pickel und sich das Gesicht mit Clearasil rot gerubbelt.

Mit seinem musikalischen Comeback-Album „Sommer Sonne Kaktus!“ (08/2013) im Gepäck, begab sich Helge Schneider (58) auf einen weiteren Abschnitt seiner gefühlten Never Ending Tour quer durch Deutschland und wieder zurück. Mindestens bis Mitte September wird der Mühlheimer Entertainer mit dem „Pretty Joe & die Dorfschönheiten“-Programm unterwegs sein, mit dem er am 16. März dieses Jahres auch schon in der ehrwürdigen Grugahalle im Essener Stadtteil Rüttenscheid gastierte.

Von diesem Auftritt zeugt nun ein zwei CDs umfassender Live-Mittschnitt, der passend zum 20-jährigen Jubiläum des Songs erscheint, mit dem Helge Schneider nur wenige Monate nach der Veröffentlichung seines „Es gibt Reis, Baby!“-Albums (11/1993) mit einem grandiosen Auftritt in der ZDF TV-Show „Wetten, daß...?“ im März 1994 den kommerziellen Durchbruch schaffte: „Katzeklo“. Und weil sich Helge Schneider völlig zu Recht nicht auf dieses eine Lied festnageln lassen will, bekam „Live At The Grugahalle“ den passenden Untertitel „20 Jahre Katzeklo – Evolution!“. Auf geht’s!

Obwohl „Sommer Sonne Kaktus!“ das erste Nummer-Eins-Album in der Karriere des 58-Jährigen darstellt, ist es mit Titeln wie „Nachtigall, huh (es zittert unser Haus, was ist nur draußen los?)“, „Mr. Bojangles“ und „To be a Man“ auf diesem Doppel-Live-Werk in keiner Weise überrepräsentiert. Schließlich ist Helge Schneider dafür bekannt, dass er sich nicht gerne wiederholt und mit Hingabe improvisiert. So werden dann auch als Klassiker bekannte Songs wie das schon erwähnte „Katzeklo“, „Es gibt Reis, Baby“, „Der Meisenmann“ oder das geniale „Hunderttausend Rosen“ zusammen mit Musikern vom Arbeitsamt Heiligenhaus (und nach der Tournee geht es dann wieder Hartzen...) auseinandergenommen und bisweilen völlig grotesk wieder zusammengesetzt.

Dabei fällt auf, dass Schneider die Protagonisten in seinen Klassikern nach und nach um die Ecke bringt. So wird aus „Katzeklo“ eine irre Horrorgeschichte, in der die arme Katze zuerst überfahren und dann gebügelt wird. Doch zum Glück war es nur die Katze des Nachbarn. „Der Meisenmann“, dargeboten in F-Dur, wird zu einer dramatischen Pianoballade, in der „Horst der Adler“ das Zepter übernimmt und einem kleinen Baby das Brötchen klaut. Schade: Der Meisenmann kommt am Ende ganz schlimm um, weil er von seiner Frau aufgefressen wird. Dabei imitiert Schneider die Stimmen berühmter Kollegen wie Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und Reinhard Mey.

In „Hunderttausend Rosen“ geht das Azetat-Kleid der Verehrerin in Flammen auf, „Es gibt Reis, Baby“ artet in einen afrikanischen Stammesgesang aus („Peter Thoms rastet musikalisch aus“) und Beethovens „Mondscheinsonate“ wird ellenlang angekündigt und dann in 30 Sekunden abgefrühstückt. Der geniale Irrsinn geht soweit, dass mit „Feliz Navidad“ ein Weihnachtslied in das Programm eingebaut wurde, das von einem Dutzend sogenannter „Ansprachen“ sowie kleinen Geschichten über Harald Glööckler, Peter Maffay, Udo Jürgens, Pillemänner, die Wildecker Herzbuben, den 90. Geburtstag von Ireen Sheer, sehr leckeren Rohrbuschtee, Brustverlängerungen und traditionellen chinesischen Getränken wie König Pilsener im 1-Liter-Glas zusammengehalten wird.

Bei so einem Programm, das wirklich nichts auslässt, kann sich der Hörer dem Künstler nur anschließen und beipflichten, was Helge Schneider schon den Essenern mit auf den Weg gegeben hat: „Ich bin so froh, hier sein zu müssen“.

Anspieltipps:

  • Katzeklo
  • To be a man
  • Feliz Navidad
  • Der Meisenmann
  • Es gibt Reis, Baby!
  • Impressionen aus dem China Restaurant Mykonos
  • Nachtigall, huh (es zittert unser Haus, was ist nur draußen los?)
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