Clap Your Hands Say Yeah - Only Run - Cover
Große Ansicht

Clap Your Hands Say Yeah Only Run


  • Label: Xtra Mile Recordings
  • Laufzeit: 40 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Alec Ounsworth fährt (fast) allein dem Sonnenuntergang entgegen.

Es gibt Musik, die sich weder technisch, noch emotional so richtig einordnen lässt, ganz gleich, wie oft man sie sich zu Gemüte führt. In diesen Fällen gibt es zwei Szenarien: Entweder, der Hörer legt die Platte weg, weil er nichts damit anfangen kann, oder er hört sie immer und immer wieder, weil er einen Zugang zu dieser Musik gefunden hat. Meist geht dieses Phänomen damit einher, dass sich noch nicht einmal so richtig sagen lässt, warum man die Musik gut findet. Zu wenig scheint zusammenzupassen, irgendwie klingt alles nach White Noise und die Suche nach greifbaren, verbindenden Elementen verläuft vergebens. Und trotzdem hat der Hörer das Gefühl, sich ganz offensichtlich auf einer geradlinigen, nahezu perfekt gewalzten Straße zu befinden, die ihn ans Ziel zu führen scheint.

Mit ihrem selbstbetitelten Debüt „Clap Your Hands Say Yeah“ hat diese Band ein solches Album vorgelegt und damit vorgemacht, dass Straßen wie diese der Sonne entgegen führen. Man saugt die Energie in sich auf, die von der besonderen Atmosphäre ausgeht und genießt, dass alles ein bisschen anders klingt, ein bisschen verrückt, sehr independent eben. Auf dem mittlerweile fünften Studioalbum hingegen führt die Straße eher in den Sonnenuntergang hinein. Trotz der noch immer besonderen Atmosphäre, bringt die Situation eine gewisse Schwere und Melancholie mit sich.

Die besten Zeiten liegen dann bereits hinter einem und wenn man das erkennt, befindet man sich sozusagen „beyond illusions“, wie Sänger Alec Ounsworth in einem der gelungenen Tracks dieses Albums verlauten lässt. Illusionen rennt bei Clap Your Hands Say Yeah trotz des positiv klingenden Namens wohl schon lange keiner mehr nach. Zu viel hat sich verändert für die einst fünfköpfige Band, die kommendes Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum gemeinsam feiern würde, wären Tyler Sargent und Robbie Guertin nicht vor zwei Jahren ausgestiegen. Was wir hier vorfinden, ist in gewisser Weise Alec Ounsworths alleiniger Verdienst.

Und auch wenn die traurigen Zeilen, die melancholischen, schweren Beats und seine klagende Stimme stellenweise alle Hoffnung zu unterdrücken versuchen, weiß auch Ounsworth, dass kein Kampf allein zu gewinnen ist. Für die Stücke „Cover up“ und „Coming down“ hat er sich prominente Unterstützung geholt: Kid Koala und The-National-Frontmann Matt Berninger kommen zu Wort, wobei letzterer in Sachen Melancholie ausgezeichnet ins Konzept passt.

„Only run“ ist noch einen Tick schwerer zu greifen als seine Vorgänger. Es besticht mit düsterem Flair, der sich hinter zeitweise positiven Akkorden („Little Moments“) verstecken will. Trotzdem rückt der Sonnenuntergang näher, die Melancholie breitet sich in der Seele aus. Zwar fehlen die offensichtlichen Höhepunkte, es lohnt sich aber auch diesmal, tiefer zu graben. Denn auch wenn es der Platte an genau eben diesen Hits fehlt, so muss man ihr lassen, dass sie das tut, was Musik tun sollte: Sie transportiert eine besondere Atmosphäre.

Anspieltipps:

  • Coming down
  • Only run
  • Little moments
  • Beyond illusion

Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
6.5/10

Wir Sind Für Dich Da
  • 2019    
7/10

Ciao!
  • 2019    
Diskutiere über „Clap Your Hands Say Yeah“
comments powered by Disqus