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Eyehategod Eyehategod


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das letzte Metallica-Album liegt sechs Jahre zurück? Fans von Eyehategod können darüber maximal schmunzeln.

Das Schlimmste, das einem Fan passieren kann, ist Ungewissheit. Egal ob es sich dabei um die Frage nach dem Fortbestand einer Band handelt, nachdem ein besonders wichtiges Mitglied das Weite gesucht hat, ein Labelwechsel die Ausrichtung oder Verbreitung gefährden könnte oder künstlerische Differenzen als Indiz für eine mögliche Auflösung kursieren - am zermürbendsten ist es, wenn keiner dieser Faktoren zutrifft und es schlicht und ergreifend kein neues Material gibt. Wir reden hier aber nicht von ein paar Jahren oder einem Jahrzehnt, sondern von stolzen 14 Jahren. So lange ist es nämlich bereits her, dass Mike Williams (Gesang), Jimmy Bower (Gitarre), Brian Patton (Gitarre), Danny Nick (Bass) und Joe LaCaze (Schlagzeug) mit „Confederacy Of Ruined Lives“ (09/2000) ihr viertes Album vorlegten. Bassist Danny wurde zwei Jahre später zwar von Gary Mader abgelöst, eine neue Platte hatte dies aber jedenfalls nicht zur Folge.

Gründe gab es hierfür einige: Williams landete zwischenzeitlich mit seiner damaligen Freundin wegen Drogendelikts im Gefängnis, Hurrikan Katrina verwüstete New Orleans und somit auch viel Hab und Gut der Bandmitglieder und ein kalter Entzug war nicht nur für Williams vonnöten. Die eine oder andere Compilation wurde unter das Volk gebracht, ein frisches Lebenszeichen musikalischer Natur gab es von den Sludge Heroen aber nicht zu vernehmen. Erst 2012 erhob sich die Single „New Orleans is the new Vietnam“ aus dem Untergrund und sorgte mit ihrem kratzig-schleimigen Doomsound für geringfügiges Heben der Augenbrauen. Wirklich aufhorchen ließen die fünf Herrschaften erst mit der Ankündigung eines neuen Studioalbums und dem Wechsel zu Century Media. Dann kam es aber zu einer weiteren Tragödie: Joey LaCaze verstarb am 23. August 2013 an Atemversagen. Er litt schon von klein an an schwerem Asthma.

Eyehategod ließen sich davon aber nicht unterkriegen und finalisierten den fünften Longplayer zu Ehren Joeys, der bereits die kompletten Drums zum selbstbetitelten Werk abgeliefert hatte. Als sein Nachfolger wurde Aaron Hill bestimmt, die Fußstapfen seines Vorgängers wird er aber wahrscheinlich nie füllen können, immerhin gebärdet sich LaCaze in seinen letzten Aufnahmen zu „Eyehategod“ wie ein wütendes Biest auf der Pirsch, das ohne zu zögern selbst den schwächsten Song mit einer animalischen Performance beehrt, dass es eine Freude ist. Seine Kollegen halten zwar konstant dagegen, dem dreckigen Mix von Sanford Parker (Voivod, Nachtmystium) und den eben erwähnten Schlagzeugeskapaden Joeys können sie aber meist nicht viel anhaben. Die elf neuen Tracks bestechen durchaus erneut wegen ihrer waghalsigen Mixtur aus „Black Sabbath gemischt mit Black Flag, ergänzt durch eine Prise Skynyrd und ein Blues-Element“, der Überraschungseffekt, der vor über zwanzig Jahren „Take As Needed For Pain“ (11/1993) durchzogen hatte, ist anno 2014 aber nur mehr in Nuancen vorhanden.

Am besten sind die Jungs auf jeden Fall, wenn dem Hörer ein Doom-Riff um die Ohren geschmissen wird, dass sogar Black Sabbath neidisch werden könnten („Nobody told me“), ein tieftönendes Korsett zur Erdbebenprävention geschnürt wird („Parish motel sickness“), wilde Punk-Ästhetik à la Refused als Frontalangriff zum Tragen kommt („Worthless rescue“, „Framed to the wall“) oder ein dermaßen dicker Sludge-Teppich ausgerollt wird, dass der Durchbruch in den Doom-Keller als genüssliche Konsequenz für debiles Grinsen sorgt („Robitussin and rejection“). Als Höhepunkt von „Eyehategod“ schält sich jedoch „Flags and cities bound“ heraus, der mit seiner aggressiven Note und kurzen, markigen Eruptionen neben all den leider etwas inflationär eingesetzten Rückkoppelungen als simples, aber effektives Hassgemälde für den größten Nachdruck sorgt. Das ist für das erste Album seit 14 Jahren mit Sicherheit etwas ernüchternd und nicht besonders befriedigend, aber wer weiß, wohin es die Sludge-Truppe nach diesem Comeback verschlägt. Womöglich knallen Eyehategod in naher Zukunft bereits den Nachfolger auf den Tisch und setzen sich damit an die Spitze der überschaubaren Sludge-Metal-Gemeinde. Zuzutrauen wäre es den Jungs aus New Orleans allemal!

Anspieltipps:

  • Nobody Told Me
  • Flags And Cities Bound

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