Arch Enemy - War Eternal - Cover
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Arch Enemy War Eternal


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit großzügig veränderter Mannschaft ziehen Arch Enemy in die nächste Schlacht.

„Als ich die Band 1995 gründete, war es mein Ziel, die härteste melodische Band aller Zeiten zu erschaffen”, verkündet Gitarrist Michael Amott im Zuge der Veröffentlichung des neunten Arch Enemy-Werkes „War Eternal“, das eine starke Zäsur in der Historie der schwedischen Melodic Death Metal-Truppe zu bewältigen hat. Dazu zählt neben dem Weggang von Michaels Bruder Christopher, der von Nick Cordle ersetzt wird, die Ablöse von Frontsau Angela Gossow durch die ehemalige The Agonist-Allzweckwaffe Alissa White-Gluz, die bei ihrem früheren Arbeitgeber inmitten von progressiv angehauchten Metalcore-Klängen trotz ihrer zierlichen Gestalt mit ihrem voluminösen Organ eine mehr als standhafte Figur abgab.

„Veränderungen im Band-Line-up werden von den Fans selten wohlwollend betrachtet. Ich kann das vollkommen nachvollziehen. Dennoch passieren solche Dinge, und die Veränderungen, die im Arch Enemy Lager vorgenommen wurden, waren für das Überleben und den Fortbestand der Band absolut notwendig. Ich liebe die Energie, die das Arbeiten mit neuen Leuten mit sich bringt, und Alissa und Nick haben definitiv eine Menge Talent und Enthusiasmus in die Band eingebracht“, besänftigt Bandvorstand Michael die aufkeimende Skepsis über das neue Line-up, das auf den übrigen Positionen erneut von Sharlee D´Angelo (Bass) und Daniel Erlandsson (Schlagzeug) komplettiert wird. In der Tat gibt es an „War Eternal“ eigentlich nicht viel zu meckern: Die Riffs sind erste Sahne, Alissa schreit sich gekonnt die Seele aus dem Leib und die eine oder andere epische Komponente („As the pages burn“, „On and on“) lockert das Geschehen wohlwollend auf.

Dumm nur, dass Arch Enemy kurz vor ihrem zwanzigjährigen Jubiläum nicht mehr versuchen, als bereits bekannte Schemata aufzuwärmen, und neben drei relativ überflüssigen Instrumentals („Tempore nihil sanat “, „Graveyard of dreams“, „Not long for this world“) auch noch mit einem Orchester hantieren, das in keinster Weise songdienlich eingearbeitet wurde („You will know my name“, „Time is black“) oder in einem dermaßen geringen Umfang zum Tragen kommt, dass das benötigte Ensemble gut und gerne aus dem Computer hätte kommen können („Avalanche“). Zum Glück preschen Alissa & Co. in einem Affenzahn durch die Melodic Death-Landschaft, sodass die missglückte, symphonische Einbindung meist nicht weiter auffällt und man sich eher über die Kompositionen ärgert, die nichtssagend an einem vorbeizischen („Stolen life“) oder allzu verdreht ihre Aufwartung machen („No more regrets“).

Im Besonderen hätte sich der Fünfer beim Titeltrack etwas mehr Mühe geben können, als nur einen flotten Prügler anzubieten, der nach ein paar Rotationen wieder aus dem Gedächtnis verschwindet, noch dazu, wenn der vorangegangene Track „Never forgive, never forget“ mit seinen durchgeschnittenen Bremsschläuchen und die donnernde Abrissbirne „Down to nothing“ wesentlich mehr Kapital aus dem wutschnaubenden Neuzugang Alissa und der Arch Enemy-Groove-Fraktion herausholt. Kommt man erneut auf das Schlusslicht „Not long for this world“ und seinen balladesken Gestus zu sprechen, so stellt sich jedenfalls die Frage, ob „War Eternal“ jetzt der Todesmarsch für die Schweden gewesen sein soll oder eine Ode an die Neugeburt. Aufgrund der wackeligen Vorstellung des neunten Werkes wird es eine definitive Gewissheit darüber wohl erst in zwei bis drei Jahren geben. In der Zwischenzeit können wir ja erst einmal Alissa auf den kommenden Festivals willkommen heißen!

Anspieltipps:

  • Avalanche
  • As The Pages Burn
  • Never Forgive, Never Forget

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