Protafield - Nemesis - Cover
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Protafield Nemesis


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Zornige junge Männer auf dem Weg zur Underground-Disco. Protafield mixen metallische Härte, wuchtige Beats und Space-Sounds.

Erst im Jahr 2013 startete der Waliser Electronic-Rock-Musiker Jayce Lewis sein Projekt Protafield. Mit nahezu gleichbleibender Energie wühlen sich die Dunkelmänner jetzt durch den oft schwermetalligen, aggressiven Soundteppich ihres Erstlingswerkes. Die Songs haben ordentlich Druck und vermitteln den Eindruck, dass sie nichts aufhalten kann. Trotzdem ist das Klangbild recht ausgewogen. Die Band beteiligt sich nicht an einem unsäglichen Wettbewerb, die Lautesten, Schnellsten oder Bösesten sein zu wollen. Allerdings treiben unerbittliche Rhythmen von maschineller Präzision die Stücke voran. Ruppigkeit und Härte trifft auf repetitive Beats der Electronic Body Music. Als Gegenpol dazu werden hymnische Vocal-Passagen eingebunden. Bei aller Heftigkeit bleibt das Quartett dadurch relativ geschmeidig, so dass sich einige Kreationen auch für die Underground-Disco eignen. Frühe musikalische Prägung erhielt Jayce Lewis übrigens durch Queen, deren Gründungsmitglied Roger Taylor hier als Gast vertreten ist. Dieser Einfluss erklärt wohl die Vorliebe für die theatralischen Momente in den Stücken.

Die erste Auskopplung „God Forced“ überfällt den Hörer nach einem Science-Fiction-Noise-Intro mit wütenden Gesangs-Attacken. Schweißtreibend hitzig und wie von Höllenhunden gehetzt geht es voran. Ein milde gestimmter Refrain verheißt Zuversicht, bevor die Tour de Force unbeirrt weitergeht. Der beschriebene Aufbau ist typisch für den Protafield-Output. Auch wenn bei „Severe Sever“ und „Perfect Defect“ die Dance-Beats zunächst den Takt bestimmen und „= Pure“ sowie „Wrath“ zäh wie Magma fließen, so setzen die zornigen jungen Männer ihren eingeschlagenen Weg doch fast ohne Atempause fort. Nur „Make Believe“ ist eher versöhnlich gestimmt. Allein das an rituelle Trommeln erinnernde Gerüst drängt hier vorwärts. Mit „Acrylic“ und „Revolution“ gibt es sogar zwei instrumentale Space-Sound-Intermezzi.

Härte und Provokation verkommen bei Protafield nicht zum Selbstzweck. Diese Kombination aus Horror- und Science Fiction-Ambiente, einpeitschenden Rhythmen und glorifizierenden Refrains ist relativ gut austariert. Deshalb wurde vielleicht auch der Titel „Nemesis“ für das Album gewählt, denn eine Bedeutung des Namens ist ausgleichende Gerechtigkeit. Die Quersumme ihres Sounds lässt sich in etwa aus Nine Inch Nails und Depeche Mode bilden. Dieses Konzept ist ausbaufähig und kann noch optimiert werden. Ein vielversprechender Anfang dafür ist aber getan.

Anspieltipps:

  • God-Forced
  • Severe Sever
  • = Pure
  • Perfect Defect
  • Acrylic

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