Linkin Park - The Hunting Party - Cover
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Linkin Park The Hunting Party


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach vielen Jahren des sanften Dahingleitens bringen Linkin Park endlich wieder Härte ins Spiel.

Linkin Park ist als eine Rockband bekannt, die keine Scheuklappen besitzt und stilistisch gerne Grenzen auslotet. Da kann es passieren, dass sich der Hörer plötzlich in HipHop- oder Ambient-Gefilden wiederfindet oder abgedrehte Remix-Scheiben vorgesetzt bekommt. Linkin Park ist aber auch eine Band, die mit vielen Singles erfolgreich den Weg ins Mainstream-Radio gefunden hat und dadurch zu einer der bestverkaufenden Bands der vergangenen eineinhalb Dekaden wurde. Die Folge: Mit ihrem gewagten Kurs zwischen Kunst und Kommerz spaltet das Sextett aus Los Angeles von jeher die Lager der Pop- und Rockfans. Denn wer die Massen dermaßen bespaßt, kann einfach nicht authentisch sein. Oder doch?

Mit ihrem sechsten Studiowerk „The Hunting Party”, bei dem zum ersten Mal seit dem „Meteora“-Album (03/2003) nicht Rauschebart Rick Rubin (51) an den Reglern saß, kündigen Linkin Park die Rückkehr zu ihren rockigen Wurzeln an, die immerhin das Nu-Rock- bzw. Nu-Metal-Genre mit Stadionhymnen, einer Mischung aus emotionalem Gesang und Raps sowie soften Emo-Parts entscheidend mitprägten. Dazu luden sich Linkin Park Gäste wie Tom Morello (Rage Against The Machine), Page Hamilton (Helmet) und Daron Malakian (System Of A Down) ein, um laut Frontmann Mike Shinoada „ein wirklich lautes und aggressives Album“ einzuspielen.

Damit werden Linkin Park eventuell die Hörerschicht ins Bockshorn jagen, die erst mit den entspannten Klängen auf „A Thousand Suns“ (2010) und „Living Things“ (2012) zu der Band fand. Denn schon der Opener „Keys to the kingdom“ ist ein unerwartet wütender Punkrocksong mit minimalen Rap-Parts und einer auf den Punkt gebrachten Produktion. Danach rückt „All for nothing“ den melodischen Hook- sowie den Rap-Anteil zwischenzeitlich wieder ins typische LP-Lot, bevor „Guilty all the same“ wieder ungewöhnlich kantig und rau (inkl. Raps von Gaststar Rakim) aus den Boxen scheppert.

So langsam kristallisiert sich auf diese Weise das gesamte Klangbild von „The Hunting Party“ heraus: Linkin Park haben sich an kompromisslosem Punkrock orientiert, der streckenweise ins Hardcore-Fach abdriftet („War“) und immer wieder mal einen dieser charakteristisch-raumgreifenden Refrains raushaut („Wastelands“ „Until it’s gone“). Dabei sorgt Daron Malakian in „Rebellion“ für metallische Gitarrenriffs und Tom Morello im Instrumental „Drawbar“ für atmosphärische Klangtupfer, die allerdings kaum der Rede wert sind, bevor mit „Final masquerade“ und „A line in the sand“ der Bogen zurück in selige „Hybrid Theory“-Tage geschlagen wird.

Das klingt auf dem Papier spannend, ist aber zum einen der erwartete Nackenklatscher für alle Fans der ruhigen Linkin-Park-Töne und stellt zum anderen nicht die bis zur letzten Konsequenz zu Ende gebrachte Punkrock-Peitsche dar, die angekündigt wurde. Dazu hat das Sextett nämlich auch heuer den Mainstream nicht zu weit aus den Augen gelassen und ein paar Sicherheitssysteme eingebaut, die Plattenfirmenbosse beruhigen, aber im Ansatz starke Ideen auch verwässern können.

Heißt: Mit „The Hunting Party“ loten Linkin Park in der Tat erneut ihre Grenzen aus, indem sie nach vielen Jahren des sanften Dahingleitens wieder Härte ins Spiel bringen und auf die Karte „Punkrock“ setzen. Daraus resultieren einige klassische Standards, positive Überraschungen, aber auch der Eindruck von maximal soliden bis guten Songs, die von den alten Fans in den Himmel gehoben werden, weil sie von der zurückerlangten Härte geblendet sind. Die Wahrheit liegt dabei wie immer irgendwo in der Mitte.

Anspieltipps:

  • War
  • Rebellion
  • Wastelands
  • A line in the sand
  • Keys to the kingdom
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