Clipping. - CLPPNG - Cover
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Clipping. CLPPNG


  • Label: Sub Pop/CARGO
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Rotziger, schneller HipHop in neuer Klamotte.

Es gibt wenige Bands, deren Name so sehr zu ihnen passt wie der von Clipping. Clipping. heißt auf Deutsch „Übersteuerung“ und beschreibt den Sound der Band ziemlich akkurat. Krachende Störgeräusche und Tinnitus-ähnliches Piepen gehören für das Trio aus Los Angeles zum Handwerkszeug. Eine Eigenschaft, die ihnen mehrfach den Vergleich mit ihren kalifornischen Kollegen von Death Grips eingebrockt hat. Der Vergleich hinkt allerdings, was Clipping. schon auf ihrem Albumdebüt „Midcity“ bewiesen.

Im Gegensatz zu Death Grips, deren MC Ride eher für Schreie als konsequent geflowte Zeilen bekannt ist, fahren Clipping. konsequent die Rap-Schiene: kontinuierlicher Beat, Fokus auf Lyrics. Die einzige Gemeinsamkeit ist der Noise-Sound, der bei Clipping. der Eingängigkeit und der Integrität halber wesentlich stärker in das Konstrukt HipHop eingebettet wird. Umso mehr auf ihrem vorliegenden Zweitwerk „CLPPNG“, auf dem im Vergleich zu ihrem Debüt die Störgeräusche nicht mehr grundlos in den Track geschmissen werden. Die Produktion auf „CLPPNG“ ist viel strukturierter. Es fällt leichter, sich auf die überbordenden Noise-Elemente einzustellen, weil sie erwartbar werden. In diesem Fall eine angenehme Eigenschaft.

Jonathan Snipes und William Hutson zeigen sich für die Produktion verantwortlich, während Daveed Diggs in der Regel mit schnellem und abwechslungsreichem Flow wie Big Boi zu seinen besten Zeiten durch die Tracks jagt. Und es gibt viel zu sagen. Die Tracks sind oft länger als vier Minuten, in denen Diggs selten vom Rappen ablässt. Von einem langgezogenen Piepen untermalt, stellt er im „Intro“ kurz die Band vor: „It's clipping, bitch“. KRRSCHHH, BEEEEEP. Da weiß man, was man hat!

Mit hämmerndem Bass und Gesaffelstein-ähnlichen Metall-Sounds, geht es in „Body And Blood“ mit noch mehr Quieken und Rauschen weiter. „Work Work“ besteht zum Großteil aus einer clever gesampleten und geloopten Aufnahme von Gläserklingen und Klappergeräuschen. Was zunächst toll klingt und auch toll bleibt, eröffnet leider auch den Blick darauf, dass der charakteristische Sound zwar die Aggressivität der Raps hervorhebt, an mancher Stelle aber eher wie ein Gimmick wirkt. Denn der Noise-Einsatz folgt nur manchmal einem Konzept, das konsequenterweise auch in Flow und Thema durchscheinen sollte.

„Work Work“ und der Boom-Bap-Track „Summertime“ sind die besten Beispiele dafür. So klingt „CLPPNG“ manchmal wie klassischer, gut produzierter HipHop in neuem Gewand. Dem zum Trotz: Viel häufiger zeigen Clipping. auch Freude am Experimentieren. Sei es bei „Get Up“, das aus sich überlagernden Wecker-Tönen besteht oder „Inside Out“ mit flotten Snare-Breaks und Krach-Geräuschen wie ein Gewitter. Kinderchor und Zurückspul-Effekte gibt es beim großartigen „Dominoes“, in „Ends“ beweisen verzerrte Synthies und Diggs, dass es keine drängenden Beats braucht, um Nervosität und Eile darzustellen. „Taking Off“ ist eine schöne Mischung aus schnellen Raps, entspannter Hook und sphärischem Walgesang. Dichte Marschtrommeln spielen die Begleitung und verdichten sich zum Ende hin zusehends. Ein Saxophon setzt ein und Diggs singt in der Hook ein Duett mit seiner Vocoder-Stimme.

„Dream“ spielt mit subtilem Rauschen und Pieptönen, unterbrochen von einem langsamen Beat. Diggs' Stimme, mehr sprechend als rappend, komplettiert die Atmosphäre. Zusammen mit „Taking Off“ sind das die ersten Tracks, die auch Clippings emotionale Bandbreite präsentiert, die sie seit „Midcity“ definitiv ausbauen konnten. Auch „Tonight“ hätte so ein Track sein können. Dieser startet aus der nachwirkenden Stimmung von „Taking Off“ überaus vielversprechend, die schief gesungene Hook im Will.I.Am-Style versaut allerdings den ganzen Track.

Clipping. liefern ein äußerst solides, überraschend gutes Zweitwerk ab, das stimmungsvoll und abwechslungsreich ist, vor Experimenten nicht zurückschreckt, aber auch äußerst routiniert und vertraut klingen kann.

Anspieltipps:

  • Taking Off
  • Inside Out
  • Dominoes
  • Ends

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