Djivan Gasparyan - I Will Not Be Sad In This World / Moon Shines At Night - Cover
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Djivan Gasparyan I Will Not Be Sad In This World / Moon Shines At Night


  • Label: All Saints/Rough Trade
  • Laufzeit: 88 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
10/10 Leserwertung Stimme ab!

Der armenische Duduk-Spieler Djivan Gasparyan gibt Einblicke in eine fremde und bedrückend wirkende Welt.

Djivan Gasparyan ist ein Musiker aus Armenien. Er spielt die Duduk, ein antikes armenisches Holzblasinstrument, das wie eine Kreuzung aus Klarinette und Oboe klingt. Gasparyans Musik konnte war schon in einigen Soundtracks wie „The Crow", „Das Russland-Haus" oder „Gladiator" zu erleben. Sie sorgte dort stets für eine besondere, seltsam unerforschte Stimmung. Der 85-jährige Musiker befindet sich derzeit auf seiner Abschiedstournee und deshalb wurden jetzt flankierend sein Debütalbum „I Will Not Be Sad In This World", das 1983 in der Sowjetunion und 1989 weltweit erschien, sowie „Moon Shines At Night" von 1993 als Doppelpack wiederveröffentlicht.

Bilder von Weite, Einsamkeit und Trauer werden durch das melancholische Spiel erzeugt. Die Duduk-Töne werden in der Regel über einen konstant gehaltenen Grundton angeordnet. Dabei schlängeln sich die Noten um eine imaginäre Achse und bringen dadurch Erkenntnis und Leben in das ansonsten eindimensionale Klangbild. Der flüchtig Hörende registriert wahrscheinlich keine großen Unterschiede zwischen den Stücken. Je nach Einstellung kann man das Ergebnis als eintönig oder meditativ erleben.

Nur selten wird zu den Kompositionen auch gesungen. Dann bekommen sie einen folkloristischen Anstrich und geben einen Einblick in die Kultur Armeniens. Obwohl zwischen den beiden vorliegenden Einspielungen 10 Jahre liegen, sind sie sich sehr ähnlich. Djivan Gasparyan hat seine einzigartige, visionäre Vorstellung von berührenden Tönen also schon früh perfektioniert. Auch wenn der Titel „I Will Not Be Sad In This World” etwas anderes verheißt, so breitet sich doch eine bedeutungsvolle Schwere über alle Stücke aus. Wehmut und eine andächtige Versunkenheit charakterisieren die Musik.

Ohne Zweifel eine der schönsten und gefühlvollsten Aufnahmen, die ich je gehört habe, urteilte Brian Eno, Ambient-Pionier und Gründungsmitglied von Roxy Music, über diese verwunschenen, traurigen Tonfarben. Aber diese Darbietungen sind sicher nicht jedermanns Sache: Entweder kann sich der Hörer sofort von ihnen leiten lassen und den exotischen Bildern folgen, dann wird er begeistert sein. Oder die erzeugte Atmosphäre findet keine Anknüpfungspunkte, dann laufen die Bemühungen von Djivan Gasparyan ins Leere.

Anspieltipps:

  • A Cool Wind Is Blowing
  • I Will Not Be Sad In This World
  • Lovely Spring
  • Moon Shines At Night

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