Watch Out Stampede - Reacher - Cover
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Watch Out Stampede Reacher


  • Label: Noizgate Records
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Auch wenn Watch Out Stampede mit vielen Bausteinen hantieren, ist „Reacher“ nicht die Summe seiner Teile geworden.

Eine Band aus Bremen benennt einen Song nach dem Plotdevice aus dem ersten Transformers-Film. Und außerdem macht sie Post-Hardcore-Musik. Hat das etwas miteinander zu tun? Nicht unbedingt, doch dem Massengeschmack der den Transformers nachgesagt wird, kommt die Band beim simplen Nachbauen eines Genres durchaus nach. Wenn der metaphorische „Allspark“ die Essenz all dessen ist, was das Post-Hardcore-Genre beschreibt, dann lässt sich durchaus behaupten, dass die norddeutsche Band sich reichlich bedient hat. Dabei wurde jedoch übersehen, dass das Ergebnis nach so ziemlich jeder anderen Post-Hardcore-Band klingt. Growling, Screamo, am Pop orientierte Refrains und Kopfnick-Riffs - fertig ist ein vorhersehbares und gänzlich austauschbares Album.

Die Spannung hält sich schon beim Opener „The Crucible“ arg in Grenzen. Die ansteigenden Töne aus dem Synthesizer-Keyboard lassen Hörer wie DubStep-Fans bei Internetvideos mitraten, wann es zum Drop kommt. Und dann fegen sie auch schon los, als wäre es der zweite Januartag in Berlin. Anstatt aber mit einem aufgebrauchten Genre aufzuräumen, bedient sich der Fünfer ausschließlich bei üblichen Abläufen und sorgt für Ergebnisse, die auch ja keine eigene Identität haben. Bullet For My Valentine könnten mit ihrem Debütalbum „The Poison“ (2005) als Beweisstück und dem Patentamt im Rücken wahrscheinlich sogar Geld für dieses Album der Bremer verlangen.

Was machen Hörer nun also mit einem Album, das sich gegen die Entwicklung einer Nische mit Händen, Füßen und Tönen wehrt? Wer ebenfalls auf die Anfänge von vor knapp 10 Jahren pocht, der kann natürlich artig seine Brille aufziehen, doch selbst ein Fan findet auf „Reacher“ absolut nichts Neues. Watch Out Stampede sind eine dieser Tribut-Bands, die man sich wunderbar als Cover-Band vorstellen kann, die jedoch an der Kreation eigener Musik scheitern. Anstatt dass diese Musik uns das wahre Gesicht einer Gruppe zeigt, kommt es viel mehr so rüber, dass sich die Bremer hinter Konventionen eines Genres verstecken und bloß nichts von sich preisgeben wollen. Mit solch einer, wenn auch ungewollten Botschaft, kann Eigenständigkeit natürlich gar nicht erst entstehen.

Anspieltipps:

  • Witch Trial
  • Allspark
  • We Are The Branches

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