Hanna Fearns - Sentimental Bones - Cover
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Hanna Fearns Sentimental Bones


  • Label: Songs & Whispers/Broken Silence
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Komm, ich erzähl dir eine Country-Geschichte.

Country-Musik wird gerne auf gewisse Stereotype reduziert. Inhaltlich trifft dies besonders zu. Um Alltagsherzschmerz und das Leben mit diesem geht es. Traurige Bilder, zu welchen man seinen Kummer ertränken soll, werden gemalt und überhaupt ist das Leben recht hart. Auch wenn Hanna Fearns auf allzu harsche Worte verzichtet und damit die Ausmaße griechischer Tragödien nicht mit in die Kneipe nimmt, behandelt die Frau trotzdem in erster Linie unglückliche Liebesschicksale.

Mehr wie eine Chansonnette beginnt Hanna das Album mit „You Stole My Crown“. Der Country muss sich hinten anstellen, wenn ihre volle und erwachsene Stimme von gebrochenen Herzen singt. Nach dem Warmwerden hält sich die Sängerin jedoch nicht mehr zurück und zitiert alle amerikanischen Genre-Verweise. Von Mariachi („Spit In Your Face“ und „Die Alone“) über Americana-Pop („9 mm“, „Sweet As November“) bis hin zu Country („Idea Of Tea“ und „Waste Land“) wandelt Fearns stets auf ausgetretenen Pfaden. Überraschungen bestehen allein darin, dass ein „Hey Sweetheart“ einfach nur nicht nach Country klingt. Ansonsten läuft hier alles strikt nach Handbuch.

Glücklicherweise beweist Hanna Fearns bei dieser Rekreation von bereits Geschaffenem jedoch einen recht guten Geschmack. Nur selten („Waste Land“) nölt es nervend aus den Boxen und selbst in die einfachen Nummern wie „Idea Of Tea“ bringt sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme viel Gefühl. Auch wenn man zu ihrem Sofa-Country nicht groß leiden kann, möchte man sich doch ganz auf diese eindringliche Stimme einlassen. Dass die Inhalte der Texte und der Klang des Vorgetragenen insgesamt eher zum Schmunzeln und Wippen und nicht zu großen Gefühlen ermutigen, ist schade, aber zu ertragen.

Mit etwas mehr eigener Klasse und weniger Versatzstücken hätte Fearns vielleicht noch ein paar mehr Überraschungen wie den Opener aus der Gitarre zaubern können. Sobald die Form auf „Sentimental Bones“ jedoch die erste Geige spielen darf, verliert das Album schnell an Emotionalität. Und wie so oft im Country lebt diese Art von Musik in besonderer Weise davon, dass man die Texte fühlt und mit ihnen lacht und leidet. Diese essenzielle Ader kommt auf diesem Album noch zu kurz, um den sanften Sofa-Country zu etwas endgültig Vollwertigem zu machen.

Anspieltipps:

  • You Stole My Crown
  • Please Darkness Please
  • Idea Of Tea

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