Lana Del Rey - Ultraviolence - Cover
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Lana Del Rey Ultraviolence


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 69 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das langerwartete zweite Album knüpft zwar nahtlos an das Debütwerk an, klingt dadurch aber wie eine Kopie des Millionensellers.

6,5 Millionen verkaufte Einheiten des offiziellen Debütalbums „Born To Die” (01/2012) sprechen eine eindeutige Sprache: Wer heutzutage in 2½ Jahren so viele Stückzahlen an die Frau und an den Mann bringen kann, ist ein Star. Und das ganz ohne Skandale und schwachsinnige Promo-Gags, sondern mit ausgiebigen Tourneen auf dem ganzen Globus und kontinuierlichen Single-Veröffentlichungen. Damit hatte die Karriere als Sängerin für die New Yorkerin nach mehreren missglückten Anläufen doch noch die Kurve in eine positive Richtung bekommen. Anders wäre es auch schade gewesen, denn mit ihrer zumeist schwermütigen Definition von Popmusik, hat Lana Del Rey (27) das Genre bereichert und einen feinen Gegenpart zu all den Lady Gagas und Mileys dieser Welt gesetzt.

Aber nichts ist vergänglicher als Erfolg. Und irgendwann muss auch Lana Del Rey mit neuen Songs aus dem Quark kommen, auch wenn es schwierig sein mag, die in der Tat geschickte Inszenierung aus Kunstfiguren-Image (Stichwort „Gangsta Nancy Sinatra“) und abgründigen Liedtexten in musikalische Formen zu gießen, die mindestens genauso gut funktionieren wie auf dem Debüt. Denn stylische Videoclips sind die eine Sache, am Ende des Tages zählt doch nur die Musik und nicht das Drumherum. Dafür holte sich Lana Del Rey Hilfe bei Co-Songwritern wie Blake Stranathan, Soundtrack-Komponist Daniel Heath, Greg Kurstin (Lily Allen, Kelly Clarkson, P!nk, Ellie Goulding) und Rick Nowels (Lykke Li, Marina And The Diamonds, Santigold, Nelly Furtado), der auch „Born To Die” mitgestaltet hatte.

Der entscheidende Unterschied dürfte aber in der Wahl des Produzenten liegen. Denn diesmal ist Dan Auerbach (eine Hälfte der Black Keys) für den Großteil der Produktion verantwortlich, die auf der einen Seite gewisse Auflagen und Zugeständnisse zu erfüllen hatte und auf der anderen Seite den Spagat zwischen Bodenständigkeit und Opulenz hinbekommen musste. Dazu hat Auerbach mächtig an der Temposchraube gedreht und im Prinzip ein 12 (bzw. 15 in der Deluxe Edition) Songs umfassendes Balladenalbum in die Tat umgesetzt.

Er verpasste „Ultraviolence“ eine dramatische und atmosphärische Produktion mit viel Hall auf der Stimme und reduzierter Instrumentierung. In diesem Sound-Bett suhlen sich Del Reys Liebestragödien in Moll, die nun weniger von Streicherklängen getragen werden, aber auch in ihrer reduzierten Form immer noch wie mit extra-dicker Hose produzierter Minimalismus klingen. Dieses Kunststück verdient Lob, hat aber auch mit einigen Tücken zu kämpfen. Denn weil sich die Melodiebögen so ähneln, hinterlassen die Songs den latenten Eindruck, Kopien der großen Hits aus dem Debütalbum zu sein, auch wenn sie für sich betrachtet meistens gut und damit Lana Del Rey pur sind.

Abgesehen von den uninspiriert klingenden und damit komplett überflüssigen Bonus-Titeln der Deluxe-Ausgabe, ist „Ultraviolence“ trotz seiner unverhältnismäßig langen Spielzeit ein recht gutes, wenn auch vorhersehbares Album geworden. Denn Titel wie „Cruel world“, „West coast“, „Sad girl“ oder auch „Brooklyn baby“ knüpfen durchaus an die Qualitäten des vorangegangenen Albums an, können ihm aber keinerlei neue Impulse hinzufügen. Dadurch verbraucht sich „Ultraviolence“ ungewöhnlich schnell, weil es im Songwriting kaum eine Weiterentwicklung erkennen lässt und thematisch auf den alten Herzschmerzthemen herumreitet, die Lana Del Rey zwar fast schon cinemaesk umsetzt, aber damit auch Gefahr läuft, den Gaul irgendwann zu Tode zu reiten.

Anspieltipps:

  • Sad girl
  • Old money
  • Shades of cool
  • Brooklyn baby
  • Money power glory
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